Die Methode der lösungsfokussierten Gesprächsführung unterscheidet sich wesentlich von der problemorientierten Gesprächsführung. Anstatt zu explorieren, was schlecht ist und nicht funktioniert, wird herausgearbeitet, was Klienten sich anstelle des Problems wünschen, welche Ausnahmen vom Problem ausfindig gemacht werden können und auf welche bereits vorhandenen Stärken aufgebaut werden kann. Ziel des Buches ist es, zu beschreiben, wie die Gesprächsführung einfach und positiv mit einem auf die Zukunft gerichteten Fokus gestaltet werden kann. Das Handbuch erläutert Schritt für Schritt die Praxis des lösungsorientierten Arbeitens. Es wird u. a. aufgezeigt, wie Erst- und Folgegespräche sowie die Beziehung zwischen Klient und Berater gestaltet werden können, wie mit Misserfolgen und Motivationsproblemen in der Gesprächssituation umgegangen werden kann und wie Gespräche beendet werden können. Lösungsfokussierte Fragen sind eine Aufforderung an Klienten, über Veränderung nachzudenken, und sie helfen ihnen dabei, ihr Leben in der gewünschten Richtung zu ändern. Die vorgestellten 1001 lösungsfokussierten Fragen unterteilen sich in Fragen für den allgemeinen Gebrauch und in Fragen für den Gebrauch in speziellen Situationen oder bei speziellen Klientengruppen. So werden beispielsweise Fragen zur Zielformulierung, Fragen nach Ausnahmen und Kompetenzen, Fragen an Klienten in einer Krisensituation, Fragen an Kinder oder Fragen, die im Zusammenhang mit einem Coaching von Führungskräften, Teams oder Organisationen gestellt werden können, präsentiert. Psychotherapeuten, Berater, Coaches, Mediatoren, Supervisoren, Trainer, Führungskräfte und Erwachsenenbildner erhalten mit diesem Handbuch einen Leitfaden an die Hand, mit dem sie ihre Gespräche respektvoll und lösungsfokussiert führen können.
Die grundlegende Botschaft des Buches, die Idee hinter der lösungsfokussierten Gesprächsführung und wie genau diese aussieht, finde ich sehr gut. Knapp heruntergebrochen, hat der Beratende die Haltung, dass der Klient alles Wesentliche für seine Lösung bereits mitbringt. Die lösungsfokussierte Gesprächsführung hält sich nicht erst lange beim Problem des Klienten auf, sondern baut von Anfang an auf einen positiven Rahmen, indem der Klient gefragt wird, was sein Ziel ist, wann es schon einmal Ausnahmen vom Problem gab, was er damals getan hat und wird so ermutigt (wieder) etwas davon in die Tat umzusetzen. Das Buch ist voll von konkreten Fragen, die man dem Klienten stellen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Haltung für Coaching oder leichte psychische Probleme sehr hilfreich ist. Ob sie auch bei schwerwiegenderen Problemen als einzige therapeutische Maßnahme fruchtet - da bin ich skeptisch.
Warum nur 3 Sterne? Ich war hin und hergerissen zwischen 3 und 4 Sternen. Ich empfand den Schreibstil der Autorin als relativ unzusammenhängend innerhalb der Kapitel. Teilweise kam es mir so vor, als stünden einzelne Absätze unverbunden nebeneinander. Außerdem finden sich im Buch einige wörtliche Zitate, teilweise auf Deutsch, teilweise dann aber auf Englisch (vermutlich, weil sie im Niederländischen Original auch schon auf Englisch vorhanden waren). Das stört den Lesefluss doch etwas, ich finde da hätte man didaktisch noch etwas mehr draus machen können.