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Wiener Kreis

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Am Wiener Kreis scheiden sich die Geister, trat er doch mit dem dezidierten Anspruch auf, mit den Mitteln der modernen Logik den metaphysischen Schutt von Jahrtausenden aus dem Weg zu räumen. Statt einer homogenen Bewegung, die sich empiristischen Dogmen verschrieb, erscheint der Wiener Kreis in der philosophischen Forschung jedoch heute als eine heterogene Gruppe von eigenständigen Denkern, die gemeinsam die Grundlagen der modernen Wissenschaftstheorie legten. In jeweils spezifischer Weise setzten sie sich von der philosophischen Tradition ab oder versuchten, einzelne Teile davon in die wissenschaftliche Weltauffassung zu integrieren. Der Band enthält eine repräsentative Auswahl von Aufsätzen der Mitglieder des Wiener Kreises. Sie beschränkt sich mit Ausnahme dreier Frühschriften der Gründer bewußt auf die Jahre des historischen Kreises vom Beginn der Treffen 1924 bis zur Ermordung Schlicks 1936, obwohl einige der Hauptideen erst in den USA ihre volle Wirkung entfalteten und von dort Ende der sechziger Jahre wieder in die deutschsprachige Philosophie zurückwirkten. In ihrer Einleitung skizzieren die Herausgeber die historische Entwicklung des Kreises und erläutern die zentralen thematischen Fragestellungen. Die Anmerkungen identifizieren die internen wie externen Opponenten und erklären den Kontext der zeitgenössischen Wissenschaft.

804 pages, Hardcover

Published August 2, 2019

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February 11, 2026
Wiener Kreis – Die Großreinigung des Denkens
Wenn Philosophen beschließen, den „metaphysischen Schutt von Jahrtausenden“ wegzuräumen, dann klingt das zunächst nach einer besonders kompromisslosen Folge von SOKO Tatortreiniger der Vernunft. Michael Stöltzner präsentiert uns mit diesem Band die Elite-Einheit dieser radikalen Aufräumaktion: den Wiener Kreis – eine Formation, die nicht weniger wollte als die vollständige Sanierung des philosophischen Denkens.

Wiener Kreis – Die Ghostbusters der Philosophie
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Wien der 1920er Jahre im Kaffeehaus, wollen eigentlich nur in Ruhe Ihre Sachertorte genießen, und am Nebentisch sitzt eine Gruppe von Genies, die gerade beschließt, dass alles, was Sie über Gott, die Welt und das Sein denken, leider „sinnlos“ ist. Warum? Weil es sich weder logisch präzisieren noch empirisch verifizieren lässt. Was sich nicht messen oder formal rekonstruieren lässt, verliert seinen Anspruch auf Erkenntnis.
Stöltzner zeigt eindrucksvoll: Der Wiener Kreis war kein gemütlicher Strickclub für Logiker, sondern eine hochgradig heterogene intellektuelle Task Force. Während Gründer Moritz Schlick versuchte, eine fragile Kohärenz aufrechtzuerhalten, entfaltete sich im Inneren der Gruppe ein explosives Spannungsfeld aus Mathematikern, Physikern und Philosophen, vereint durch den Willen zur begrifflichen Radikalreform. Dieses Projekt wurde 1936 durch die Ermordung Schlicks jäh unterbrochen – ein Ereignis, das nicht nur ein Leben, sondern eine ganze philosophische Konstellation zerstörte. Doch die Ideen des Kreises überlebten und migrierten in die USA, wo sie die analytische Philosophie nachhaltig prägten und sich mit enormer Wirkkraft reproduzierten.
Die „Sache der Logik“: Die systematische Eliminierung des Unsinns
Die Mission war ebenso einfach wie unerbittlich: Alles, was weder logisch ableitbar noch empirisch überprüfbar ist, verliert seinen Status als sinnvolle Aussage. Begriffe wie „Sein“, „Nichts“ oder „das Absolute“ erscheinen aus dieser Perspektive nicht als tiefe Einsichten, sondern als Symptome begrifflicher Fehlfunktionen. Metaphysik wird nicht widerlegt – sie wird als Kategoriefehler diagnostiziert.
Das programmatische Selbstverständnis verdichtet sich im berühmten Diktum: „Die wissenschaftliche Weltauffassung kennt keine unlösbaren Rätsel.“ Das ist mehr als ein methodisches Prinzip – es ist eine intellektuelle Kriegserklärung an jede Form epistemischer Dunkelheit. Wo Klarheit möglich ist, wird das Rätsel zur Zumutung.
Der Wiener Kreis hat nicht einfach Theorien produziert – er hat eine neue Hygiene des Denkens etabliert. Er hat gezeigt, dass Klarheit keine ästhetische Tugend, sondern eine epistemische Notwendigkeit ist.
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