Ein Atomkrieg hat das Leben in der nördlichen Hemisphäre vernichtet. In einem hochtechnisierten Bunker in den Schweizer Alpen hoffen 300 Überlebende auf eine Zukunft. Doch Getreidepest und ein soziopathischer Killer nehmen dem Bunker die Lebensgrundlagen. Verzweifelt wagt Dr. Oliver Bertram zusammen mit seiner Tochter und einer kleinen Gruppe die gefährliche Flucht hinaus in den nuklearen Winter. Ihr Ziel ist Afrika, der einzige Ort, an dem menschenwürdiges Leben noch möglich scheint. Eine lange Reise durch einen lebensfeindlichen Kontinent liegt vor ihnen, die die Flüchtlinge nicht ohne Opfer hinter sich bringen können.
Erik Schulz engagiert sich in der Organisation der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Seine Expertise für Bunkeranlagen und die Folgen nuklearer Katastrophen sorgt dafür, dass seine Geschichte erschreckend authentisch wirkt.
Meine Meinung Dies ist eines dieser Bücher, die unscheinbar daherkommen und wenn man sie gelesen hat, lange nachwirken.
Es geht hier um Endzeit, die Postapokalypse in Europa. Durch politische Unstimmigkeiten und verbale Kriege kommt es zum Äußersten, womit keiner gerechnet hat. Die Finger am roten Knopf widerstanden nicht, sondern drückten ihn. Der Atomkrieg zerstörte ganz Europa. Dass dies geschehen könnte dachten sich ein paar kluge Köpfe und bauten an verschiedenen Standorten Bunker, in denen eine Anzahl von Menschen sich für sehr teures Geld ihren Platz in der Zukunft sichern konnten. Der erste Teil spielt in so einem Bunker in der Schweiz.
Weniger Leute, als Plätze erkauft wurden, befinden sich darin, denn nicht jede*r schaffte es rechtzeitig dorthin. Diese Bunker versorgen sich autark. Es wurden rechtzeitig Vorräte reingeschafft, die ein langes Überleben unter Tage sichern sollen, mindestens, bis die Radioaktivität weniger geworden ist, sich die Ozonschicht etwas erholt hat und man evtl. wieder an eine Rückkehr an die Oberfläche denken könnte.
Wir lernen in diesem ersten Teil das Leben im Bunker und die wichtigsten Bewohner kennen. Und auch hier findet sich leider ein “Diktator”, der die vollumfängliche Macht an sich gerissen hat. Es stellt sich heraus, dass das Leben im Bunker nicht mehr sicher ist. Eine kleine Gruppe Menschen wagt den Widerstand und die Flucht nach oben.
Glücklicherweise ist Milizkommandant Haemmerli Teil der Gruppe. Er ist ortskundig und sieht sich in der Lage die Gruppe auf ihrer Flucht über die Alpen und dann weiter nach Afrika zu führen.
Als die Gruppe es dann endlich nach oben schafft, trifft nicht nur sie der Schlag. Der Autor hat das postapokalyptische Europa sehr gut dargestellt. Die verseuchte Landschaft, die extreme Kälte und der radioaktive Schnee, all das wirkt sehr authentisch und deshalb so beängstigend!
Die unterschiedlichen Charaktere mit ihren verschiedenen Eigenschaften reagieren natürlich nicht gleich auf die aufkommenden Strapazen und auch hin und wieder notwendige Gewalt. Es geht hier ums nackte Überleben, da kann man sich nur bedingt Empathie und Herzensgüte leisten.
Obwohl Teil 2 der schlimmste war, was das Überleben und die Gewalt der Natur angeht, übertrifft der dritte und letzte Teil für mich alles. Es ging mir psychisch nahe. Denn dort, in Afrika angekommen, erlebt der Rest der Gruppe, der es in den Sudan geschafft hat, ebenso schreckliche Zustände und teilweise unwürdige Behandlung, wie die heutigen Flüchtlinge in den verschiedenen Flüchtlingcamps quer durch Europa!
Alleine schon wegen des dritten Teils ist dieses Buch sehr lesenswert! Es bringt die Flüchtlingssituation zu den Europäern, die erstmals am eigenen Leibe erfahren wie es ist, nicht als vollwertiger Mensch behandelt zu werden. Wie es ist, einen Drecksplatz zugewiesen zu bekommen und sich um ein paar Nahrungsmittel zu prügeln, zu wissen, dass nur eine kleine Gruppe von Menschen es schaffen wird von dort wegzukommen und die Restlichen für Monate, sogar Jahre, ohne Zukunft dort festsitzen werden. Dafür lobe ich Erik D. Schulz!
Wahrscheinlich werden dieses Buch leider nicht die Lesen, die es lesen sollten, um über ihr Verhalten nachzudenken. Dennoch ist dieses Buch wichtig und gelungen!
Ich bin durch die Seiten geflogen und kann mir schließlich vorstellen, dass dieses Buch auch verfilmt wird. Als Film würde es funktionieren und ein breiteres Publikum ansprechen.
Meine kleine Kritik ist, dass es gut und gerne ein paar Kämpfe und Verstrickungen mehr hätte geben dürfen. Manchmal war es ein bisschen zu glatt. Ich hätte auch sehr gerne mehr über jeden Abschnitt erfahren! Diese Geschichte hätte noch intensiver und umfassender erzählt werden können, als auf 400 Seiten passte. Eventuell wäre der Stoff sogar für eine Trilogie geeignet gewesen, mit Buch 1 “Im Bunker”, Buch 2 “Das neue Europa” und Buch 3 “Als Flüchtlinge in Afrika”.
Fazit Toller Plot, spannend und authentisch geschrieben, mit unterschiedlichen und interessanten Protagonisten gespickt, die viel durchmachen müssen, nahestehende Menschen sterben sehen und mehr als einmal aufgeben wollten. Und doch schafft es der Autor ein rundes Buch abzuliefern, das neben schlimmen auch schöne und hoffnungsvolle Zeiten zeigt. Absolut lesenswert, gerade in der jetzigen Zeit!
„Realitätsnahe Bezüge mit gründlich recherchierten Fakten“ sind ihm besonders wichtig, sagt der unter dem Pseudonym Erik D. Schulz schreibende Arzt über seine Arbeit als Autor. Gleichzeitig geht es ihm um Spannung und Unterhaltung „durch eine intensive, emotionale Zeichnung der Romanfiguren“, verbunden mit „einer Portion Optimismus, der den Leser an die eigenen Stärken glauben lässt“. Dies alles trifft auf seine im März veröffentlichte postnukleare Dystopie „Der Weizen gedeiht im Süden“ zu. Nach vier Jugendromanen hat sich Erik D. Schulz erstmals an einen Roman für Erwachsene herangewagt – und dieses Wagnis ist ihm gelungen. Nicht nur der 75. Jahrestag des amerikanischen Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945, sondern erst recht die derzeitigen weltpolitischen Verwerfungen durch autokratische Staatslenker, hier vor allem der Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und China, geben diesem Roman, dessen Autor sich in seinem Hauptberuf in der Organisation Internationaler Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges und die Abrüstung atomarer Waffen (IPPNW) engagiert, eine besondere, eine fast erschreckende Aktualität. Denn auch Schulz' Roman beginnt nach einem weltweiten Atomkrieg, der durch einen Wirtschafts- und Cyberkrieg zwischen den USA und China ausgelöst wurde. Das Leben in der nördlichen Hemisphäre ist weitestgehend vernichtet, Europa ist verstrahlt und bei minus 25 Grad mit hüfthoher Schneedecke bedeckt. In einem mit allem Lebensnotwendigen komfortabel ausgestatteten Riesenbunker in den Schweizer Alpen überleben 300 Menschen. Doch plötzlich ist das Trinkwasser verstrahlt, auf dem unterirdischen, überlebenswichtigen Weizenfeld breitet sich die Getreidepest aus und der zum Psychopathen sich entwickelnde Bunker-Leiter wird immer unberechenbarer. Um dem garantierten Strahlen- und Hungertod zu entkommen, flieht eine kleine Gruppe um den Arzt Oliver Bertram und dessen 14-jährige Tochter Annabel aus dem Bunker und findet nach mehrwöchigem abenteuerlichem und gefährlichem Weg durch die lebensfeindliche Schneewüste Europas und die Hitze Nordafrikas endlich Rettung im Sudan, allerdings nicht ohne vorher noch in einem mit tausenden europäischen Überlebenden überfüllten Flüchtlingslager dem Typhus ausgesetzt zu sein. Dennoch ist der afrikanische Kontinent, die einstige „Wiege der Menschheit“, nun die letzte Hoffnung aller Überlebenden. Der Autor versteht es, mit seinem Roman die Leser zu packen. Die stellenweise in Einzelheiten gehenden, trotzdem nie langweilenden Schilderungen lassen den Roman absolut authentisch wirken, auch wenn manches märchenhaft klingt. So überrascht es doch, dass die Flüchtlingsgruppe im zerstörten Locarno nicht nur ein vollgetanktes Kleinflugzeug findet, sondern ihr Anführer sogar einen Flugschein hat, um die Gruppe komfortabel nach Afrika zu bringen. Auch wundert man sich, dass im Laufe der Flucht sämtliche Begleitpersonen um Oliver Bertram ums Leben kommen, aber kein einziges Mitglied seiner neu geformten „Familie“. Doch sind dies als dramaturgische Mittel nachzusehende Punkte in dem sonst recht wirklichkeitsnah erscheinenden Roman. Dem Autor gelingt es tatsächlich, wie eingangs zitiert, die an sich selbst gestellten Forderungen zu erfüllen: Die Geschichte ist spannend und trotz der tristen Weltuntergangsstimmung noch unterhaltend. Die Figuren sind im Guten wie im Schlechten nachvollziehbar charakterisiert. Abschließend bleibt sogar der vom Autor versprochene Optimismus und tröstliche Hoffnungsschimmer eines möglichen Neuanfangs nach der Katastrophe.