Kurz mal, wo ich es gerade auf der Shelf-Liste von Walter Otto entdeckt habe. Eine Zierde jeder Büchersammlung, nicht nur weil es ein angenehm gefertigtes Buch mit gutem Papier ist. Ein Fels in der Brandung aus Beliebigkeit und Feuilleton-Gequassel. Enorm viel Wissen und extreme Sprachbeherrschung stecken da drin. Aber es war und wird bleiben: ein Trumm für etwas schräge Vögel. Hier durfte Eckhard Henscheid zu Goethes 150. Todestag über 1.100 Seiten lang all seine Macken und abstrusen Steckenpferde von der Leine lassen. (Erstmals seinerzeit noch bei Diogenes, wo aber Gerd Haffmans, sein späterer Verleger, Lektor war.) Henscheid (der Oberpfälzer) und Bernstein (der Schwabe, eigentlich hieß er Weigle) sind nun mal zwei kuriose Schrate und Spaßvögel, die den großen Klassiker zwar sehr verehren, gründlich über ihn nachgedacht haben, ihn allerdings mit extrem vielen Nebensächlichkeiten und Witzen garnieren. Im Mittelpunkt steht ein, äh, sagen wir mal: der Geduld bedürfendes, Lesedrama: „Eckermann und sein Goethe“, das kompakter hätte ausfallen dürfen.
Dass ich das ganze Buch (vor vielen, vielen Jahren) einst komplett durchgelesen habe, kann ich heute selber fast nicht mehr glauben – werde es „in diesem Leben“ (eine auch von Henscheid gern benutzte Formel) gewiss nicht wieder tun. Aber jeder, der es auch noch packt, ist mir von Grund auf sympathisch. Das steht schon mal fest. Dass es nur 2001 im 20. Jahrhundert noch einmal aufgelegt hat – und seither keiner mehr, wundert mich überhaupt nicht. Zum 200. Todestag? Ja, woher denn! Dreihundertster Geburtstag kommt dann Mitte des Jahrhunderts.