Ein leicht zu lesender und brauchbarer Einstieg in die offenbar insbesondere im englischsprachigen Raum sehr umfangreiche Literatur über die schiffbrüchige Eliza Fraser, die schlimme 6 Wochen bei Aborigines verbracht hatte, und dann aus ihren Leiden - so Frau Knecht - ungebührlich Kapital schlagen wollte.
Der Kontext in all seinen Varianten wird im Buch gut dargestellt, sodass man sich rasch einen Überblick verschaffen kann. Das Hauptproblem ist jedoch, dass alle Quellen einseitig gewertet werden, immer so, dass Eliza besonders schlecht, als Lügnerin und Betrügerin wegkommt. So wertet sie beispielsweise Curtis' reißerische und damit kommerziell höchst erfolgreiche Schilderung der Ereignisse als "saubere journalistische Arbeit, was sie mit der erklecklichen Anzahl von Fußnoten mit Quellenangaben begründet (von denen sich interessanterweise keine einzige in Knechts Buch findet - nur ein allgemeiner Literaturüberblick am Ende), was ihr dann erlaubt, alle drastischen Aussagen dieses Machwerks Eliza in den Mund zu legen.
Ich hab das Buch sehr rasch und interessiert begonnen, aber je weiter ich vorgedrungen bin, desto mehr machte sich ein schaler Beigeschmack der einseitigen Berichterstattung bemerkbar. Die Absicht dahinter ist durchaus ehrlich - die australischen Ureinwohner von diesen schauerlichen Mythen zumindest zum Teil freizusprechen - aber auch diese hätten sich eine ausgewogenere Analyse verdient.
Ich kann nicht beurteilen, ob Knechts Deutung richtig oder falsch ist, aber ich hatte gehofft, mir nach dem Lesen dieses Buchs ein eigenes Bild machen zu können, in dieser Hinsicht war es eine Enttäuschung.