In der wissenschaftlichen Diskussion ueber die griechische Tragödie ist umstritten, mit welchen Intentionen die Dichter des 5. Jhs. v. Chr. ihre Werke schrieben und inszenierten. Eine Mehrheit der Interpreten nimmt an, das athenische Dionysos-Theater sei der Ort gewesen, an dem die demokratische Polis sich ihrer eigenen geistigen Fundamente versicherte und damit den gesellschaftlich-sozialen Zusammenhalt ihrer Buerger festigte. Diese Position beruft sich auf die zwei wichtigsten antiken Stellungnahmen zur Wirkung der griechischen Tragö auf die "Poetik" des Aristoteles (ca. 350 v. Chr.) und die "Frösche" des Aristophanes (405 v. Chr.). Die vorgelegte Studie untersucht diese oft und höchst kontrovers behandelten Texte erneut und versucht zu zeigen, daá sie zu Unrecht als Beleg fuer eine politisch-didaktische Interpretation der griechischen Tragödie benutzt werden.