Mathis Mandel hängt zwischen Schule und Studium auf seinem Weg zur Selbstfindung, als er beschließt, ein afrikanisches Flüchtlingskind auf seiner Route zu begleiten und eine Reportage über das Erlebte zu schreiben. So kommt er in Kontakt mit Hope aus Somalia und gemeinsam fliegen sie nach Brasilien, um von dort aus über die Panamericana in die USA zu gelangen. Unterwegs begegnen ihnen nicht nur die Gefahren der Länder, die sie durchreisen – Naturgewalten, konkurrierende und kooperierende Flüchtlinge, Ausbeutung und kriminelle Organisationen, - sie werden auch die ganze Zeit von Hopes Landleuten verfolgt, die das Kind um jeden Preis tot sehen wollen. Sie erreichen ihr Ziel nur unter massiven Verlusten – und auch da finden sie nicht das erwartete Paradies.
Das Buch unterteilt sich in mehrere, sehr umfangreiche Kapitel, die meistens eine Station der Reise, manchmal mehrere abhandeln. Die Kapitelnamen sind in den Amtssprachen der jeweiligen Gebiete geschrieben. Am Ende jedes Kapitels sind zudem Fakten zu einigen Themen aus den Kapiteln zusammengestellt, z. B. zu den bereisten Ländern, indigenen Völkern und insbesondere zu Umweltproblemen.
Nun zu meiner Meinung:
Von der Erzählung her finde ich es ein äußerst gelungenes Werk. Inhaltlich hebt es sich sehr von den Themen ab, die mir sonst meist im Jugendbuchbereich begegnen – wobei ich nach der Lektüre finde, dass die mir zugetragene Altersempfehlung (ab 16) immer noch mit einer gewissen Vorsicht handhaben würde. Man braucht schon einige starke Nerven für das Buch, denn es beschönigt nichts und zeigt damit auch sämtliche Grausamkeiten, die Flüchtlingen auf ihrem Weg widerfahren. Dabei handelt es nicht nur vom Thema „Flucht“, sondern auch von geopolitischen und klimatischen Problemen, die dazu führen, ebenso, wie in einzelnen Ländern mit ihren Dispositionen damit umgegangen wird. Es gibt auf der Strecke durch die Welt und das Buch immer wieder Inseln der Ruhe und gegenseitigen Hilfe. Obwohl es eine fiktive Geschichte ist, könnte sie wohl fast genau so wie beschrieben in der Welt passieren. Somit liest sie sich mitreißend und doch sehr unbequem und möchte wohl ein Stück weit erreichen, dass man sich als „Bewohner der so genannten ersten Welt/Industrienationen“ schlecht fühlt, weil man mit dem eigenen Verhalten – gewollt oder nicht – Leid an anderer Stelle in der Welt geschehen lässt.
Hier ist ein Punkt, der mich an der Lektüre bisweilen gestört hat: Es schlägt mit der Schuldzuweisung für meinen Geschmack manchmal etwas arg über die Stränge, denn der Protagonist sucht sie bei sich auch mal für Dinge, die er nicht zu verantworten hat (z. B. „ich habe Menschenleben auf dem Gewissen, weil mir als Baby Windeln angezogen wurden“). Für meinen Geschmack würde es reichen, wenn die Geschichte so weit aufrüttelt, dass man sein eigenes Verhalten überdenkt. Es kommt mir jedoch so vor, als solle man sich – ich entschuldige mich für die Ausdrucksweise – wie das letzte Stück Dreck fühlen und dort ist mir das Buch mit der Leserschaft etwas zu destruktiv.
Daran hängt sich auch mein zweiter Kritikpunkt: Die Faktenseiten zwischen den Kapiteln. Ich finde die Idee grundsätzlich sehr gut, denn es ist für Belletristik ein unkonventionelles Stilmittel und vermittelt weitere Hintergründe, die in der Geschichte selbst zu sperrig wären. Ich persönlich bevorzuge allerdings, wenn Fakten möglichst neutral und von mehreren Seiten beleuchtet präsentiert werden. Diese hier schreien mir etwas arg eine gewisse Haltung heraus (mag sein, dass andere das anders wahrnehmen und das ist auch in Ordnung). Stark vereinfacht läuft es oft auf „Die Welt ist kaputt, die Menschen waren es und die Lösung ist Bevölkerungsreduktion“ hinaus. Gewissermaßen widerspreche ich dem nicht, doch die Art der Präsentation hat mich negativ berührt.
Für mich also an sich ein sehr gelungenes, aus der Masse hervorstechendes Buch, vom Thema und Erzählstil her. Auf die Dauer hat mich die unterschwellige Menschenfeindlichkeit allerdings ziemlich gestört, da sie in gewisser Weise neben dem Aufzeigen der Probleme den Willen zur Veränderung untergräbt. Es hinterlässt für mich den Geschmack, dass Menschen „eh nur Parasiten“ sind und nicht in der Lage, etwas Gutes zu tun. Und dann will man womöglich aus Frust auch nicht – weiterhin.