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Karl Denke - Der Kannibale von Münsterberg: Ein deutscher Serienmörder

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Der Kannibale Karl Denke ist nicht aus der Kriminalgeschichte wegzudenken. Dennoch wird seine Person bzw. der Kriminalfall Denke immer noch von einem sagenumwobenen Schleier umhüllt. Eine sachlich fundierte Monographie fehlt. Seit Jahren, ja fast Jahrzehnten versuchte Armin Rütters, diesen Schleier zu lüften, ungeklärte Fragen zu beantworten, Rätselhaftes aufzudecken. In seiner hier vorliegenden quellenreichen Monographie arbeitet er den Fall des schlesischen Kannibalen Karl Denke chronologisch und akribisch auf.

288 pages, Hardcover

Published March 31, 2013

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Profile Image for Matt.
752 reviews642 followers
December 24, 2019
Nach gut einem Drittel des Buches kann ich, denke ich, mir nun ein Urteil bilden. Der eigentliche Text des Autors Armin Rütters ist an dieser Stelle bereits beendet und es folgen umfangreiche Text- und Bildquellen, die ich lediglich durchgeblättert habe und die ich gegebenenfalls, falls es mich noch mal überkommt, auch lesen werde.

Es mag nicht verwundern, dass ein Sachbuch über einen Serienmörder und Kannibalen recht unappetitlich ist, noch dazu zur Weihnachtszeit. Aus persönlichen Gründen musste es aber jetzt sein, denn ich habe das Buch als Geschenk bekommen und sollte nach Möglichkeit in diesen Tagen der Schenkerin zumindest eine Rückmeldung geben. Ich fasse mich kurz, damit wir uns dann alle dem Weihnachtsbraten oder dem Kartoffelsalat mit Würstchen oder was auch immer auf den Tisch des Hauses kommt widmen können.

Karl Denke (1860-1924) lebte in Münsterberg in Schlesien (heute: Ziębice, Polen), war von Kindesbeinen an ein verschlossener, wortkarger Mensch, viel allerdings auch nicht Gewalttätigkeiten o.ä. auf. Ab 1909 fing er an, Menschen zu töten, anschließend in Teilen zu verspeisen, im Wald zu vergraben oder als Trophäen zu behalten. Die meisten seiner insgesamt 31 Opfer war erwachsene Männer (allerdings auch einige Frauen), die als Bettler, Hausierer oder Wanderarbeiter, meist allein unterwegs, in die Gegend kamen und an Denkes Tür klopften. Unter einem Vorwand ließ er sie eintreten und erschlug sie von hinten, meist mit einer Hacke. Einem Opfer, dem Bettler Vincenz Olivier, gelang im Dezember 1924 verletzt die Flucht. Olivier erstattete bei der Polizei Anzeige gegen Denke, wurde allerdings selbst erst einmal wegen Landstreicherei und Bettelns eingesperrt. Denke wurde, nach Widersprüchen in seinen Aussagen, ebenfalls verhaftet und in die Nachbarzelle gesperrt, und Olivier wurde in der Nacht, ohne es zu wissen, Ohrenzeuge von Denkes Selbstmord durch Erhängen. Ab dem nächsten Tag fanden Polizei und Gerichtsmediziner in Denkes Zimmer und einem angrenzenden Schuppen die ganzen grausamen Hinterlassenschaften von Denkes „Wirken“ der vorausgegangenen Jahre. Die Details dazu erspare ich mir; sie stehen im Buch. Nur soviel sei gesagt: Denke hat seine Taten in einem Heft akribisch protokolliert, mit Tatdatum, Namen und persönlichen Daten der Opfer, sowie deren jeweiligem „Schlachtgewicht“. Ein makaberes Unterfangen, welches jedoch die Aufklärungsarbeit der Verbrechen enorm erleichtert hat.

Die Reaktion der Öffentlichkeit und insbesondere der Medien, sprich Zeitungen, war natürlich enorm. Die Nachbarn, die im selben Haus wohnten, wurden scharf angegangen, da sie angeblich von Denkes Treiben nichts bemerkt hätten. Der Polizei wurde vorgeworfen, im Vorfeld nicht genug unternommen zu haben. Man könnte sagen, jeder schlachtete die Verbrechen zu seinen Gunsten aus, auch politisch, warf dem jeweiligen Gegner Versäumnisse vor und rückte natürlich seine eigenen Vorstellungen ins rechte Licht. Dass Denke nicht selbst befragt werden konnte, macht die Beantwortung der Frage nach Beweggründen und ob der Mann eventuell psychisch gestört war (bzw. welche Störung er genau hatte) so gut wie unmöglich; frage zwei Psychologen und du erhältst drei Antworten.

Das Buch selbst war für mich nicht unbedingt ein Genuss. Dass so ein Thema nur schwer verdaulich ist, liegt auf der Hand. Die Ausführung hätte meines Erachtens aber durchaus besser ausfallen können. Das liegt vor allem an der recht ungelenken Schreibweise. Hier waren die im Text eingestreuten Zitate von damals schon fast flüssiger zu Lesen als der moderne Text! Immerhin ist der Autor stets um einen sachlichen Tonfall bemüht und bedient keine Sensationslust. Des Weiteren gibt es auch ziemlich viele Wiederholungen und zwar ziemlich viele. Fast scheint es so, als ob der Text aus mehreren getrennt veröffentlichten kürzeren Teilen irgendwie zusammengefügt wurde. Im Kapitel nach der psychologischen Begründung für Denkes Taten wurden für meinen Geschmack zu viele Vermutungen geäußert. Am Ende gibt es kein klares Bild und man hätte das Kapitel auch leicht mit „Wir wissen es nicht“ zusammenfassen können.

Mit dem Namen „Denke“ lassen sich im Deutschen natürlich auch Wortspiele bilden. Eines davon wird im Text genannt:
Als Hіtler gefragt wird, wen er für die größten Massenmörder der Geschichte hält, antwortet dieser: „Ich Denke Haarmann“.
Nun ja.

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