Die politische Rechte des 1871 gegründeten Deutschen Reiches war weder die kompakte Einheit noch das amorphe Gebilde, als das sie häufig angesehen wird. Anknüpfend an seine vielbeachteten Studien über die »Konservative Revolution« und den ästhetischen Fundamentalismus entwickelt Stefan Breuer eine neue Typologie, die zwischen modernen und antimodernen Strömungen unterscheidet und innerhalb dieser Hauptlinien noch einmal zwischen exklusions- und inklusionsorientierten Richtungen differenziert. Mit diesem Instrumentarium wird es möglich, die Ideenlandschaft der deutschen Rechten neu zu ordnen und Gemeinsamkeiten wie Differenzen mit ähnlich gelagerten Erscheinungen in anderen Ländern herauszuarbeiten. Darüber hinaus wird erkennbar, wie tief der Nationalsozialismus in die Tradition der deutschen Rechten eingelassen ist.
Breuers Schema der Grundpositionen mit Idealtypen und Achsen im rechten Spektrum 1871–1933:
Rechte Progression im Sinne kapitalistischer Rationalität, Technik und Wissenschaft (Abwertung aller nicht-formalen Denk- & Orientierungsmuster), Weltmarkt und nur durch komplexe Organisation regulierbare Beziehungen; Inklusion im Sinne eines Einbezugs der Frauen und Arbeiter in politische Systeme, Schulen, Märkte/Berufe usw. Im Achsengegensatz zur Wiederverzauberung der Welt mit Rückkehr zu einfachen, auf Interaktion beruhenden Sozialsystemen, ökonomisch Selbstversorgung/Autarkie, politisch-rechtlich Antistruktur und Charisma, Monopolisierung bestimmter Funktionen und Rechte