Donald Trump, die AfD und radikale Verfechter der Identitätspolitik haben etwas Wichtiges gemeinsam: Sie sehen sich als Opfer finsterer Mächte. Die neuen Opfer unterteilen die Welt in Gut und Böse. Dialog ersetzen sie durch Empörung, Fakten durch Bauchgefühle. Sie geben sich als Richter über unsere moralischen Normen, brechen diese aber ständig selbst. Ihren wachsenden Einfluss nutzen sie allein für sich, während wirklich Machtlose leer ausgehen. Nie zuvor beklagten Menschen wegen geringerer Anlässe, ihnen widerfahre gewaltiges Unrecht - und nie zuvor hatten sie damit mehr Erfolg. Dabei liegen die wahren Ursachen, weshalb wir uns ohnmächtig, benachteiligt oder bedroht fühlen, meist nicht im Hier und Jetzt, sondern in unserer Kindheit. Bestsellerautor Matthias Lohre bietet verblüffende Einsichten in ein Phänomen, das unser Leben immer stärker prägt, und zeigt Auswege aus dem Opfer-Denken.
Warum wollen Menschen in den Krieg ziehen? Warum wird bei Gender- und Feminismusdebatten regelmäßig die "alte weiße Männer"-Karte gezogen? Warum wählen Menschen die AfD und was verbindet rechte mit linker Rhetorik?
Nach einer langen Pause hab ich heute endlich mal wieder ein Buch zu Ende gelesen und muss sagen, dass es mir wirklich aus der Seele gesprochen hat. Zunächst hat mich der Titel etwas stutzig gemacht, erst im Verlauf lernt man, wer eigentlich als "Opfer" bezeichnet wird - und stellt schnell fest, dass jeder von uns schon einmal Opfer wurde oder - sich selbst zum Opfer gemacht hat.
Gerade in Zeiten von ständiger gesellschaftlicher und identitätspolitischer Empörung und Erregung empfinde ich dieses Buch als einen großen Gewinn. Matthias Lohre erklärt anschaulich und durch interessante Quellen, warum die reine Empörung, das "wir gegen die", nicht ausreicht und warum das "wir oder die" die Gesellschaft zwar spaltet und dennoch immer wieder - sei es in der Politik, im Arbeitsleben oder im Privaten - auf fruchtbaren Boden fällt. In jedem Fall regt "Das Opfer ist der neue Held" zum Nachdenken an und lässt so manchen Leser sicher seine Auffassung und seine sicher geglaubten Standpunkte überdenken.