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Die Republikaner : Anatomie einer amerikanischen Partei

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Auch wenn die Ergebnisse von Thomas Grevens "Anatomie" der Republikanischen Partei vielleicht nicht ganz so eindeutig sind, wie man sich dies von einer "anatomischen" Untersuchung erwarten mag, bietet die mit sicherer Feder verfasste Studie Die Republikaner doch viele bemerkenswerte Einsichten in die Besonderheiten des amerikanischen Gesellschafts- und Parteiensystems. Im politischen System der USA haben die politischen Parteien bekanntlich einen völlig anderen Stellenwert als in den parlamentarischen Systemen etwa Großbritanniens oder der Bundesrepublik Deutschland. Häufig spricht man von ihnen als reinen "Wahlkampfmaschinen". Und tatsächlich kommt den Parteien im amerikanischen Präsidialsystem die größte Bedeutung als Kandidaten-Plattform und als Rekrutierungsorganisationen für das politische Personal zu. Auch sind die Abgeordneten und Senatoren im Kongress weit weniger in eine strikte Parteiloyalität eingebunden als dies in parlamentarischen Systemen der Fall ist. Und so haben sie auch wenig Scheu, von Fall zu Fall gemeinsame Sache mit Vertretern der jeweils anderen Partei zu machen. Trotzdem bestehen, wie der Autor an zahlreichen Beispielen zeigt, sehr wohl programmatische und politisch-stilistische Unterschiede zwischen der Demokratischen und der Republikanischen Partei.

Greven, der kein Hehl daraus macht, dass seine Sympathie eher den Demokraten gehört, zeichnet zunächst die historische Entwicklung der Republikanischen Partei nach, wobei er ein besonderes Augenmerk auf die ideologischen Brüche und Umschwünge sowie auf die dahinter stehenden Akteure legt. Die Darstellung, die immer auch einen Seitenblick auf die parallelen Entwicklungen in der Demokratischen Partei wirft, zeigt, dass die ideologischen Frontlinien sich immer wieder verschieben und nicht selten auch kreuzen, weshalb mancher Präsident auch der jeweils anderen Partei gut zu Gesicht gestanden hätte.

Auch parallele, gesamtgesellschaftliche Entwicklungen spiegelnde Trends in beiden Parteien hat der Autor beobachtet. Seit den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sieht er die Republikaner unter dem wachsenden Einfluss einer evangelikal-christlichen Rechten auf einem stramm konservativen Kurs. Einen konservativen Trend macht er parallel dazu aber auch bei Demokraten aus. Eine Ursache sieht Greven in einer "republikanischen Hegemonie" bei der Themensetzung im öffentlichen politischen Diskurs. Die gegenwärtig bei den Republikanern vorherrschenden Kräfte sieht der Autor am Werk, das Land -- insbesondere auf dem Feld der Sozialpolitik -- ins 19. Jahrhundert zurückzuwerfen. Allzu große Hoffnungen auf eine "progressive Erneuerung der USA" möchte er sich indes selbst für den Fall eines Wahlsiegs des Demokraten John Kerry nicht machen. Solche Hoffnungen habe man schon in Bill Clinton gesetzt, der jedoch "ein zentristischer Südstaatendemokrat" gewesen sei, "der viele Republikanische Richtungsentscheidungen mittrug". Wie weit Kerry davon wirklich abzurücken gewillt oder in der Lage sei, müsse sich erst noch zeigen. -- Andreas Vierecke

250 pages, Unknown Binding

First published September 30, 2004

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