Von den Theken dieser Welt: Ein ganz besonderes Reisebuch
Lennart Adam ist nicht nur Journalist, sondern auch ausgesprochen reiselustig. Dabei sind Pauschalurlaube allerdings überhaupt nicht sein Ding. Der "Friesenjung" erkundet mit Vorliebe Länder, die beim Durchschnitts-Touristen nicht so weit oben auf der Bucket-List stehen dürften - wie den Irak, den Kosovo und Uganda zum Beispiel.
Während andere Urlauber Muscheln sammeln, sammelt Lennart Adam Bar-Besuche. Denn die sind für ihn Pflicht, ganz egal, an welchem Ende der Erde er sich gerade befindet. Am Tresen lernt der Autor Land und Leute aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Und die steht garantiert in keinem Reiseführer!
Mit "Auf ein Bier bleibe ich noch - Bargeschichten von Teheran bis Havanna" hat Lennart Adam sein erstes Buch veröffentlicht. Erschienen ist es bei Reisedepeschen, einem noch jungen unabhängigen Verlag, der 2018 aus einem Reiseblog hervorgegangen ist und handverlesene Lektüre für Reiselustige und vom Fernweh Befallene bietet.
In seinem 304-seitigen Erstling nimmt uns Lennart Adam in 23 Kurzgeschichten mit an die Theken dieser Welt. Mal schick und erlesen, mal nur mit einem Wellblechdach vor den Unbilden des Wetters geschützt - Bar ist eben nicht gleich Bar.
Die Art und Weise, mit der Lennart Adam erzählt, ist einfach zum Niederknien. Er berichtet mit viel Humor, einer gehörigen Portion Selbstironie und durchweg fesselnd von seinen promillehaltigen Abenteuern, die spätestens dann richtig losgehen, wenn er sich mal wieder sagt: "Auf ein Bier bleibe ich noch".
Aber es geht bei Weitem nicht nur um Bier, Bars, Jux und Dallerei in Lennart Adams Reisebericht der ganz anderen Art. Unverhohlen geht er auf Missstände und Vorurteile ein, auf die er in einigen Ländern trifft. Auch vor gesellschaftlicher Kritik scheut sich der Autor nicht. Es geht um Glaubensfragen und Krieg, um Völkermord und Unterdrückung.
Ob witzig oder ernsthaft: Lennart Adam trifft immer den richtigen Ton - wirklich faszinierend! Und während man mit dem passionierten Biertrinker um die Welt reist, zuckt man kurz zusammen, wenn man nebenbei auf die Seitenzahl schielt und dann erstaunt ruft: "Waaaas? Schon Seite 117? Ich hab doch grad erst angefangen mit dem Buch." Kein Witz, das ist mir tatsächlich so gegangen.
Besonders hervorheben muss ich die liebevolle Aufmachung von "Auf ein Bier bleibe ich noch". Den Kapiteln voraus geht stets eine bebilderte Doppelseite mit Erinnerungsstücken und handschriftlichen Aufzeichnungen des Autors.
Dieses Buch ist wirklich etwas ganz Besonderes und eignet sich nicht nur hervorragend zum Selberlesen, sondern auch als perfektes Geschenk für Weltenbummler und solche, die es werden wollen.
Und Lennart Adam? Der reist und schreibt in der Zwischenzeit hoffentlich weiter, denn mit Sicherheit warten noch ganz viele Bars und Geschichten auf ihn - und ich auf weitere Erzählungen aus seiner Feder.
3.75 ⭐️ ich fand es sehr schön und das buch hat mich total inspiriert, selbst wieder zu versuchen, tagebuch zu schreiben. es hatte super interessante themen angesprochen, aber ich glaube ich bin per se einfach nicht soo ein fan von kurzgeschichten, da ich nicht wirklich in die geschichte reinkomme. aber wirklich empfehlenswert! :)
Nachdem ich das Buch gerade abgeschlossen habe, verspüre ich den Drang in die nächstgelegene Bar zu sitzen und mit wildfremden Menschen über das Leben zu sinnieren.
Unterhaltsame kleine Erzählungen je etwa 5 bis 10 Seiten lang (habe nicht nachgezählt) und jede unabhängig voneinander lesbar.
Lennart Adam bereist die Welt, manchmal allein, manchmal mit Freundin, aber eigentlich immer sieht er die eine oder andere bar von innen. Er kommt in Gespräche mit den Einheimischen und manches mal ist es so spannend und so gesellig, dass er sich sagt, na gut, auf ein Bier bleib ich noch. Da kann es auch mal sein, dass er die zeit vergisst und dann zum Flughafen hetzen muss, um noch seinen Flug zu bekommen.
Es ist wie eine wundervolle Weltreise, auf die uns der Autor mitnimmt. Hier wird nicht nur das Bier vernichtet, hier wird auf Wegen, ab vom Massentourismus von den Menschen und ihren Geschichten erzählt. Und das ganze ist so spannend, kurzweilig und mit viel Humor berichtet, dass das Buch schneller zu Ende gelesen war, als gedacht.
Ich fand es unheimlich interessant, auf welche Menschen er immer wieder getroffen ist. Auf einer unbekannten griechischen Insel lernt er eine sonderbare Gemeinde der Unsterblichen kennen, sucht in Moskau vergeblich nach Wein oder chillt in Sansibar. Es ist faszinierend, der Autor begibt sich weg vom touristischen, sucht immer wieder das Echte in jeder Stadt, in jedem Land, wo er ist und trifft auf die unglaublichsten Menschen.
Und wie das so ist, bei einem Bier erzählt es sich einfach am besten. Da kann man auch mal auf eins länger bleiben.
Sehr gut fand ich auch das Kapitel, als er in seine Heimat besucht hat und da natürlich in einer bar landete. Auch wenn diese ganz und gar nicht mehr so aussah, wie früher. Es gab schöne Einblicke in sein Leben. Und Einblicke in anderer Menschen Leben bekommt man scheinbar an fast jeder Bar auf der Welt.
Für mich ein wundervolles Buch und mit klarer Leseempfehlung – egal ob man nun Bier trinkt oder auch nicht. Auf jeden Fall spannender als jeder Reiseführer und all die touristischen Sehenswürdigkeiten sind doch eh total überlaufen – mit Touristen. Die Einheimischen finden sich in Cafés und Bars. Cheers!