Ich bin in einer Phase meines Lebens, in der ich mich oft frage, welchen Sinn ich meinem Leben geben möchte, welchen Weg möchte ich gehen und wohin soll er mich führen. Ganz unbewusst habe ich dann wahrscheinlich nach diesem Buch gesucht.
Durch den Titel und Klappentext las ich die ersten Kapitel mit der Erwartungshaltung hier Motivation, Wissen und Erleuchtung zu finden. So ganz traf das aber nicht zu. Klaus und Samiha reisen quer durch die Welt, um das Geheimnis der Hundertjährigen zu erfahren. Wie haben sie es geschafft so alt zu werden? Was sind ihre Tipps? Und was bedeutet für sie ein erfülltes Leben? Also las ich mit Neugierde und wollte genau diese Fragen beantwortet haben. Anfangs enthusiastisch, doch danach fiel es mir immer schwerer das Buch in die Hand zu nehmen. Der Tod ist ebenso Teil des Lebens und darum ein gr0ßer Themenschwerpunkt. Über das Leben der Hundertjährigen zu erfahren, bedeutet auch über all ihre Verluste zu lesen. Und oft auch zu lesen, dass genau diese befragten Hundertjährigen von uns gegangen sind, während dieses Buch geschrieben wurde. Mich überkam dabei jedes Mal Melancholie und auch eine gewisse Furcht, denn die Gewissheit der eigenen Sterblichkeit wurde mir wieder und wieder deutlich.
Ich hatte erwartet, Berichte über all die Erfolge von Menschen zu lesen, die ihr Leben gelebt haben und nun damit abschließen, indem sie ihr jahrzehntelang gesammeltes Wissen weitergeben. Das war so naiv. Das Leben ist nicht so einfach. Aber damit wurden meine anderen Erwartungen erfüllt. Somit las ich doch regelmäßig weiter. Begierig wollte ich nun über alle Weisheiten Bescheid wissen, die die interviewten Personen preiszugeben hatten. Und am Ende fand ich auch die gesuchte Erleuchtung.
Dieses Buch ist definitiv nicht gefüllt mit 0815-Motivationssprüchen und es zeigt einem auch nicht den einen und richtigen Weg auf, wie man ebenfalls ein Jahrhundert oder länger lebt. Wer sich ungern mit dem Tod beschäftigt, sollte sich allerdings von diesem Buch fernhalten. Doch über all die Erfahrungen, schmerzliche und glückliche, zu lesen, die einige Menschen durchmachen mussten, wird einem der Wert des Lebens bewusster. Jede befragte hundertjährige Person hatte ihre ganz eigenen Geheimnisse des hohen Alterns. Aber am Ende des Buches fragt man sich, ob das überhaupt das Ziel sein sollte. Oft brauchen wir die Illusion das Leben bis zu einem gewissen Grad kontrollieren zu können. Dabei sollten wir vielleicht nur den Teil besonders wichtig nehmen, den wir tatsächlich kontrollieren können: nämlich zu entscheiden, was wir mit unserer Zeit anfangen und welchen Sinn wir ihr geben wollen. Abschließend mit meinem Lieblingszitat von Goethe, was auch in diesem Buch erwähnt wird: "Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst."