Die Romantheorie der Neuzeit beginnt als Apologie. Zur Diskussion steht der ethische und ästhetische Wert einer Gattung, die aus dem Rahmen der überlieferten Poetik fällt; zudem hat der Roman die Vorstellungen dessen, was Literatur sein kann, grundlegend verändert.
Matthias Bauer was born in Lienz/Austria. After studying history and folklore he worked for publishing companies and exhibitions.
With Bastian Zach he writes novels and screenplays. Their novels "Morbus Dei: The Arrival", "Morbus Dei: Inferno" and "Morbus Dei: The Sign of Aries" were a big hit among both critics and readers in Europe. The three historical mystery-thrillers were translated into English (publications in Spanish will follow in 2016) and will be adapted into an international TV series by G5fiction/ZDF Enterprises. Their new novel "Blood of the Picts" will be released by Heyne/Random House in 2016.
Zach/Bauer also wrote the scripts for the horror movie "One Way Trip 3D", and the international adventure movie "Northmen – A Viking Saga" with Ed Skrein (Deadpool, Game of Thrones), Ryan Kwanten (True Blood) and Tom Hopper (Black Sails). "Northmen" was sold worldwide in over 50 countries and was bought by Starz/Anchor Bay Entertainment for the American and Canadian market. Upon its US release Northmen made it straight into the Top 10 (DVD / Blu-ray).
Alles ist relativ, und zwar alles, eine romanlose Nicht-Theorie.
In der Reihe meiner Aufarbeitung der Romantheorie, u.a. E.M. Forsters Aspekte des Romans, George Lukacs‘ Die Theorie des Romans, Alain Robbe-Grillet Argumente für einen neuen Roman gehe ich auch klassische literaturwissenschaftliche Monographien durch. Matthias Bauer Romantheorie gehört zu diesen wie auch Matías Martínez‘ Einführung in die Erzähltheorie oder Friedrich A. Kittlers Philosophien der Literatur: Berliner Vorlesung 2002. All jene besitzen einen akademischen Duktus und wiederholen zum x-ten Male, was ungefährlich über gewisse Begriffs- und Problemfelder gesagt werden kann, ohne auf oder aus dem Rahmen zu fallen. Bauer setzt dem ganzen noch eine Krone auf, indem er seine Monographie (in der 1. Auflage) mit folgendem Zitat beschließt:
»Die Romanciers zeichnen die Karte der Existenz, indem sie diese oder jene menschliche Möglichkeit aufdecken« (Kundera), doch jeder einzelne Roman sagt zu seinem Leser: »Die Dinge sind komplizierter als du denkst.«
D.h. er endet im Grunde mit dem Satz, dass die ganzen Bemühungen um Theorie stets nur wieder auf das bekannte Problem zurückführen, dass in der Nacht alle Katzen grau und die Wahrheit im Auge des Betrachters liegt. Daher wimmelt es in seinem Buch auch vor Relativierungen und explizit kategorie- und theoriefeindlichen Überlegungen wie:
Oft sind es gerade die feinen Nuancen und Differenzierungen der gewohnten Optik, durch die ein Roman Wirkung zeigt. Eben diesen feinen Unterschieden kommt man jedoch nicht bei, wenn man alle konkreten Unterschiede von vornherein in abstrakte Kategorien aufhebt, die zwar universal sein mögen, eben wegen ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Universalität aber auch nur selten wirklich informativ sein können.
Oder:
Festzuhalten ist als Zwischenbilanz jedenfalls, dass die idealtypischen Erzählsituationen und Vermittlungssysteme, auf die es Stanzel und die meisten seiner Kritiker abgesehen haben, in ihrer Zurückführung aller narrativen Möglichkeiten auf einige wenige Oppositionspaare dem poetischen Spektrum der narrativen Optik nicht gerecht werden, und dort, wo sie mit ontologischen Grenzziehungen einhergehen, eher Verwirrung als Klarheit stiften.
Wenn aber die Klarheit sich nur in den feinen Nuancen ergibt, worin bestehen diese – was wären die „narrativen Möglichkeiten“, die durch Stanzels Idealtypen verunklart werden? Überhaupt umschifft Bauer jedwede Definitionen. Alles ist offen. Die Kunst ist frei, und die Gedanken über sie noch mehr. Schade, dass es dann bei einer Monographie von über 200 Seiten, die auch noch Romantheorie heißt, bei diesen „Kernwahrheiten“, dass wir im Grunde alle nur wissen, dass wir nicht wissen, bleibt. Ein wenig Kursorisches über Bachtin, den der Autor mag, über Wittgenstein, dem der Autor etwas suspekt ist, Genette und Pipapo werden genannt. Ja, der Roman: ein weites Feld eben.
Wer nur ein wenig begriffliche Schärfe fordert, kann Sätze wie diese kaum ertragen:
Das Phänomen der Stimmen-Interferenz, die Tempus-Paradoxien, die Verschachtelung von Fiktion und Realität sowie der paragrammatische Umgang mit der literarischen Tradition weisen den Roman als eine hybride Konstruktion aus.
Interferenzen bedürfen Frequenzen, die moduliert werden, aber Frequenzen bedürfen Maßeinheiten, und wie sind diese hier gegeben? Zudem, worin gründen sich Tempus-Paradoxien, wenn eine Erzählstimme über ihre Erzählung verfügt? Wo liegt das Paradox? Vor allem aber wie lassen sich „Fiktion“ und „Realität“ verschachteln? Fiktion verarbeitet, erweitert auf imaginäre, mediale Weise Erfahrungen, die real sind. Wie kann sich „Fiktion“ mit einem Baum verschachteln? Und was sagt das alles aus: nur, dass der Roman ein Hybrid ist, aber aus welchen Bestandteilen? Fiktion und „Realität“?
Nein. Ich kann Romantheorie, das weder von Romanen handelt (anscheinend gibt es nur Cervantes, Flaubert und Dostojewski) noch von Theorie, auf irgendeine Weise empfehlen. Schade eigentlich. Als nächtes lese ich von Jochen Vogt Aspekte erzählender Prosa: Eine Einführung in Erzähltechnik und Romantheorie. Ich freue mich dennoch drauf!