Gerhard Nestler erzählt die Musikgeschichte von einem ungewöhnlichen Ansatz her: Der Autor führt den Leser durch die Jahrtausende und durch die europäische Geografie auf eine Reise über die musikalischen Zentren. Ausgehend von den alten Griechen, über Paris (mit seiner Nôtre-Dame-Schule), den Hennegau mit seinen meist "niederländisch" genannten Meistern, Venedig, Wien führt die Reise mit vielen Zwischenstationen in die heutige Zeit. Die zahlreichen Querverbindungen zwischen den Zentren verdeutlichen, dass die Weiterentwicklung der Musik stets eine gesamteuropäische, nicht eine nationale war.
Nachtrag vom 26/12/2020 - Was hängengeblieben ist: Eigentlich nur gelesen, weil ich einen Kurs zur Musikgeschichte gegeben habe, und meine Kenntnisse auffrischen wollte/musste. Insgesamt eine gute Einführung, viele Kapitel dienen als Sprungbrett zur weiteren Beschäftigung. Musikgeschichten sind ja meistens supranational angelegt, aber die Musik des eigenen Landes wird dann doch bevorzugt: sehr viel über Bach, wenig über Rameau oder Purcell - und da das Werk in den 60er Jahren verfasst wurde, dominiert natürlich die eurozentrische Perspektive, und somit wird europäische Musik zur Musik schlechthin. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wird die Darstellung dünn, Analysen aktueller Tendenzen wie Spektral- oder Minimalmusik muss man sich woanders zusammensuchen.