Janko Lavrin was a Slovenian literary historian, essayist, novelist, translator, poet and editor.
He was the editor of European Quarterly, a member of International PEN, and the founder of the Slavic Department at the University of Nottingham, where he was professor of Russian literature.
Über Sinn und Unsinn der kleinen Rowohlt-Bändchen ist früher endlos diskutiert worden, Janko Lavrins Dostojewski-Bio zeugt von tiefer Kenntnis und intensiver Teilnahme, stellt deshalb bei mir die mit Abstand am öftesten gelesene rororo-Bio dar. Allerdings konnte der Experte auch auf ein paar eigene frühere Werke zurückgreifen und seine Analyse der großen Romane entsprechend kondensieren und in den Kontext der Epoche stellen. Das Toltsoj-Bändchen, dessen Lektüre ich jedes mal wieder komplett vergessen habe, ist dagegen über weite Strecken eine ziemlich teilnahmslose Auftragsarbeit, die nichts Wesentliches zum Verständnis der Werke beiträgt. Dafür ist das Ehedrama der Tolstojs mit dem katastrophalen Finale der Flucht, ein krönender Abschluss, Janko Lavrin, der sich beim Konflikt zwischen der an den materiellen Grundlagen des Lebens interessierten Frau und dem Prediger von Armut, den sein verhasstes Triebleben mit der sonst verachteten Frau verbindet, auf echt dostojewkischen Terrain. Die Bildauswahl ist insgesamt besser als bei der umfangreicheren Monographie von Geir Kjetsaa*, der die, vergleichsweise mickrige, Optik der Söhne komplett unterschlägt. Auch wenn ein überaus starker Schluss die Vorbehalte gegenüber der vorher gelesenen 80% entkräftet, kann ich ganz gut nachvollziehen, dass der Verlag inzwischen eine neue Biographie für die beliebte Reihe schreiben ließ. Wenn es noch die Buchhandlungen meiner Studentenzeit geben würde, dann würde ich gerne mal reinblättern. Gerade in die Analysen der drei großen Romane, in Sachen Ehedrama und Flucht halte ich Lawrin, auch in Sachen Gerechtigkeit gegenüber beiden Parteien**, für uneinholbar.
* Auch ein Dostojewskianer, der eine Tolstoj-Pflichtfortsetzung folgen ließ. ** Obwohl mir Tolstojs Position als Heiliger und sexueller Ausbeuter angreifbarer erscheint. Vater Sergius gestaltet den Konflikt zwischen Anspruch und sexueller Wirklichkeit ja in literarischer Form.