Ich wusste absolut nichts über die Philosophin Edith Stein, die in eine jüdische Familie hineingeboren und als Katholikin zuerst heiliggesprochen und dann zur Patronin Europas erklärt wurde. Das Buch hatte ich durch einen glücklichen Zufall in der Buchhandlung aus einem Regal gezogen.
Man merkt Lella Costa ihre Theatererfahrung an, denn was sie erzählt, ist nicht einfach eine klassische Biografie, es ist eine große Erzählung, die in viele kleinere von anderen Frauen, Männer, Liedern, Filmen oder überhaupt allem ist. Sie knüpft ein Band aus so vielen Anekdoten, die schnell nerven oder zumindest ablenken könnten. Hier aber zeichnen sie ein wunderbares Bild von Edith Stein, die nicht nur an der Uni mit ihren männlichen Kollegen zu kämpfen hatte, für die Frauen leider keine Posten besetzen durften. Nein, sie musste sich selbst als zum Christentum konvertierte Ordensschwester noch sagen lassen, sie gehöre leider nicht dazu und müsse gehen. Nur waren es diesmal leider die Nazis, die sie deportiert haben. Absolut absurd auch das ganze bürokratische Chaos, das dafür gesorgt hat, dass sie ihr Visum für die ach so neutrale Schweiz erst nach ihrem Tod bewilligt bekommen hat.
Ich hab das Buch aus Gründen etwas gestückelt gelesen, aber die letzten 50 Seiten konnte ich gar nicht mehr aus der Hand legen, da mir beide Frauen hier sehr ans Herz gewachsen sind.