In Sebastian Fitzeks Geschichte geht eine von der Weihnachtshektik gestresste Mutter einem Mörder in die Falle. Jan Costin Wagner erzählt von einem ganz normalen Familienvater, der plötzlich in einen Abgrund blickt. Elisabeth Herrmann nimmt uns mit zu einer Toten unter dem Eis. Heinrich Steinfest erzählt, was passieren kann, wenn eine einsame Frau Weihnachten mit einem Fremden verbringt. Und in Andrea Maria Schenkels Erzählung kommt es im tief verschneiten Bayern während der Christmette zu einem grausamen Mord. Spannung pur für die Adventszeit!
Ich hatte mir mehr von dieser Sammlung versprochen - das hat mich jetzt nicht so umgehauen. Klar ist bei Sammlungen generell immer die Gefahr groß, dass einem nicht alles gefällt - aber gerade die Abwechslung ist ja auch spannend. Hier waren allerdings zu viele Beiträge, die mir entweder nicht gefallen habe und/oder bei denen ich mir nicht erklären konnte, warum sie überhaupt aufgenommen wurden, da mindestens eines der verbindenden Elemente - Weihnachten und/oder Krimi/Thriller - fehlte.
Ein paar Stichworte zu den Stories:
1. Friedrich Ani - Jetzt ist die Zeit: Wenig gruselig im klassischen Sinn, trotzdem faszinierend und toll geschrieben. Bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich das Ende richtig verstanden oder irgendwas verpasst habe. Tut dem Ganzen aber keinen Abbruch. War auf jeden Fall meine erste Berührung mit Ani und ein interessanter Einblick, vielleicht wage ich mich ja jetzt doch mal an einen Roman.
2. Anne Chaplet - Schneefieber: Hat mir gefallen, dieses Warten auf Clou, gut geschrieben.
3. Zoran Drvenkar - Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man durch Bäume reiten: Was für eine Enttäuschung - nicht, weil die Geschichte nicht gut oder spannend oder verstörend (also: ein echter Drvenkar) war, sondern, weil ich sie schon kannte! Und so sehr auf was Neues gehofft habe! Schade, sehr schade. Die Story ist Teil aus "Du". Trotzdem "schön" das nochmal zu lesen, aber... bitte Zoran, neues Thrillermaterial für mich!
4. Sebastian Fitzek - Der Frauenfänger: Fitzek kann's auch kurz. Irgendwie war früh klar, wohin das führt - trotzdem (oder gerade deshalb?) spannend.
5. Elisabeth Herrmann - Eisbrecher: Hier gefällt mir die Anordnung nicht, weil mir die Struktur dieser Geschichte irgendwie zu nah an der davon von Fitzek war. Auch hier wartet man auf das (ab einem gewissen Punkt absehbare) Ende. Trotzdem okay, nur an anderer Stelle wohl besser platziert.
6.Robert Hültner - Starke Venus: Interessantes Lokalkolorit. Interessante Verwicklungen. Interessante Backgroundstory des Opfers - soweit, so sehr gut! Nur das Ende war mir zu abrupt/merkwürdig.
7. Linus Reichlin - Eine Kerze für Meers: Ein Kerzenverkäufer im Sexshop. Keine Ahnung, was das soll.
8. Andrea Maria Schenkel - Lostag: Auch nicht so der Reißer. Immerhin weiß ich jetzt, was hinter dem Aberglauben steckt, dass zwischen den Jahren Wäsche waschen Unglück bringt. Wieder was gelernt!
9. Heinrich Steinfest - Mona: Hat mir von allen Storys hier am besten gefallen. Sehr verstörend.
10. Michael Theurillat - Besuch von Onkel Jack: Berührend und "bittersweet", nur das Krimielement sucht man vergebens - passt hier nicht rein.
11. Jan Costin Wagner - Das Echo der Schüsse: Sehr interessant, da der Hauptcharakter echt schlimme Probleme hat - leider hat mir die Schreibe so gar nicht gefallen (viele kurze Sätze, wirkt so zwanghaft bemüht kunstvoll).
Kurzweilig, unterhaltsam, spannend. Auch, wenn nicht in jeder Geschichte ein Mord o.ä. stattfindet, das braucht es gar nicht. Nicht Weihnachten ist das übergeordnete Thema, sondern der Winter, die Zeit um Weihnachten herum - es ist eisig kalt.
Die Beschreibung passt überhaupt nicht zum Inhalt. Welche der Geschichten soll denn bitte "atemlos spannend" gewesen sein? Also mit Krimi hat das wenig zu tun und so "hochkarätig" waren die Geschichten jetzt wirklich auch nicht...