IBM-Chefstratege Gunter Dueck entwirft ein Modell für eine wertorientierte ökonomische Vernunft.Wenn Unternehmensgewinne wachsen, Steuereinnahmen sprudeln und Löhne steigen, geben Manager, Politiker und Arbeitnehmer das Geld mit vollen Händen aus. Naht der Abschwung, heißt es Gürtel enger Personal freisetzen, Steuererleichterungen streichen und jeden Cent auf die hohe Kante legen. Und auch emotional fallen wir von einem Extrem ins Im Aufschwung sind wir zuversichtlich, fair und kreativ, in der Krise regieren Darwin und Wirtschaftskrieg, ziehen Angst, Stress und Vorsicht in die Köpfe.Den Menschen ernst nehmen, sagt Gunter Dueck, heißt, diese Emotionen ernst nehmen. Was immer wir über die Wirtschaft denken, ist abhängig von unserem Bauchgefühl. Je nach Stresslevel halten wir unterschiedliche Dinge für richtig. Trotzdem operiert man in der Wirtschaft mit dem Modell von einem Homo oeconomicus, der stets rational handelt und auf immer gleiche Weise durch Geld und Nutzen zu motivieren ist. Das ist falsch, sagt Gunter Dueck und fordert eine ökonomische Vernunft, die den Menschen in den Blick nimmt und uns lehrt, in fetten Jahren Maß zu halten und in mageren gelassen zu bleiben.
Ganz nette Beschreibung des allgegegenwärtigen Wirtschaftsproblems, dass man mit "Run for the Bottom" beschreiben könnte. Gunter Dueck beschreibt recht nett den ökonomischen Hintergrund hinter Wirtschaftszyklen. Eingehend werden die Attribute des Aufschwungs und des Abschwungs verarbeitet und die These widerlegt, dass Ökonomie eine wirkliche, voraussberechenbare Wissenschaft darstellt. Menschen verhalten sich anders, je nachdem, ob die Wirtschaft sich im Auf oder Ab befindet.
Obwohl das Buch im Feb. 2008 erschienen ist, diagnostiziert Dueck die kommende Finanzkrise durchaus korrekt, auch in ihren Ursachen - z.B. die Subprime-Krise. Das ist schon beeindruckend. Auch ist seine Beschreibung des Abschwungs mehr als treffend, insbesondere die Effekte von "Geiz ist Geil" und des Verlustes von Qualitát, weil Hersteller im Teufelskreis der Kostenkontrolle gefangen werden.
Nebenbei erfährt man, dass Dueck vor seinen Mathematik-Studium eigentlich Wirtschaftswissenschaften studierte und daran verzweifelte, weil es eben keine "Wissenschaft" darstellt.
Zwei Faktoren schaden dem Buch sehr : 1) Je weiter man vordringt in seine Beschreibung desto mehr arbeitet Dueck mit "bullitized lists", was schon darauf hinweist, dass er Schwierigkeiten hat, das Material in Prosa umzusetzen. Auch wird das Buch zunehmend repetitiv. 2) Nichts, aber auch gar nichts kann Dueck aufzeigen, wie die Wirtschaft aus dem Teufelskreis des Abschwungs herauskommen kann. Historisch gesehen sind es immer technische Innovationen gewesen, sagt er. Er kann aber nicht aufzeigen, wo denn die nächste Aufschwungswelle herkommen koennte.... Depremierend am Ende.
Wie alles Dueck-Texte extrem gut lesbar durch seinen ganz eignen, eher an Vorträge oder Gespräche mahnenden, Stil. Inhaltlich spannend: Die Verbindung von allgemeinen Denkweisen, Manager-Typen und -Stilen, Menschenbldern und Marktmeachamismen mit den Konjunktur-Aufs-und abs und final ein Plädoyer für den Ausbruch aus diesen Zyklen durch Maßhalten. Hilfreich aber manchmal etwas nervig sind dei vielen Wiederholungen des bereits gesagten - wie gesagt: der eher konversationelle Stil. Und man hofft natürlich, dass Duecks Maßhalten sich durchsetzt. ich les jetzt noch die anderen Bücher (parallel das Lean Bran Management, dann die anderen) auf der Suche nach genaueren Managementanleitungen, wie das Duecksche Wirtschaftsparadies denn zu bauen sei.
Großartiges Buch! Es beschreibt, was in der gesamten Wirtschaft und in der Wirtschaftswissenschaft falsch läuft und erläutert die daraus resultierenden Denk- und Handlungsfehler, die so vielen Menschen unterlaufen. Und zeigt natürlich Wege auf, wie wir in Zukunft eine stabilere und harmonischere Wirtschaft erreichen können, wenn wir alle die Erkenntnis des Autors teilen und leben. Bedingungslos empfehlenswert, auch für nicht-BWLer!