Eine junge Frau erhält kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag eine Diagnose, die alles verändert: Chronische Niereninsuffizienz. Alle Zukunftspläne sind plötzlich hinfällig. Dann verschlechtern sich die Nierenwerte, sodass sie dreimal pro Woche zur Dialyse muss. Bald wird klar: Ein neues Organ muss her. Krankheit und Spendersuche werfen sie auf ihre Familie und Vergangenheit zurück. Bei der Mutter aufgewachsen hat sie zum Vater erst seit Kurzem vorsichtigen Kontakt. Im Krankenhaus treffen alle erstmals wieder aufeinander. Während die Mutter sich entzieht, ist der Vater sofort zur Spende bereit. – Tabea Hertzogs eigene, wahre Geschichte, ihre Beobachtungen aus der Welt der Kranken und der der Gesunden sind voller Empathie und Tragik, Lakonie und Humor und fügen sich zu einem ganz besonderen literarischen Debüt.
Nur wenige Tage vor ihrem 30. Geburtstag kommt die Diagnose, die alles ändert: chronische Niereninsuffizienz. Alle Zukunftspläne sind plötzlich hinfällig: das Stipendium in Teheran, der Kurztrip nach Frankreich. Und dann verschlechtern sich auch noch die Nierenwerte, sodass sie dreimal die Woche zur Dialyse muss. Schnell wird klar, dass sie ein Spenderorgan braucht. Ihr Vater wäre bereit, zu spenden, doch die beiden sind sich fremd, da er die Familie vor vielen Jahren verlassen hat. Erschwerend kommt die Ungewissheit hinzu: Ist er als Spender überhaupt geeignet?
„Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer“ ist das literarische Debüt von Tabea Hertzog, basierend auf ihrer wahren Geschichte.
Meine Meinung: Das Buch besteht aus 19 Kapiteln recht unterschiedlicher Länge. Sie sind wiederum in teils sehr kurze Abschnitte untergliedert. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht der jungen Frau, der Autorin. Der Roman setzt direkt nach der Diagnose ein. Das Grundgerüst ist chronologisch aufgebaut. Immer wieder gibt es jedoch Rückblicke in die Kindheit und andere Teile der Vergangenheit. Die Übergänge sind recht abrupt, trotzdem hat dieser Aufbau für mich gut funktioniert.
Der besondere, unverwechselbare Schreibstil wirkt zunächst reduziert, nüchtern, distanziert und schnörkellos. Kurze Passagen in Dialogform wechseln sich ab mit Auszügen aus SMS-Nachrichten und längeren erzählenden Abschnitten. Der Stil hat aber auch eine poetische Note. Dazu tragen auch tiefsinnige Sätze bei, die ab und zu eingestreut werden. Mit nur wenigen Worten gelingt es der Autorin, viel auszudrücken.
Die Protagonistin bleibt anfangs unnahbar, was jedoch Teil ihres Charakters ist. Zunehmend lässt sich ihre Gedanken- und Gefühlswelt jedoch gut nachvollziehen. Dabei hat mich ihre Ehrlichkeit beeindruckt. So kann man sich in sie einfühlen. Auch bei der Darstellung der Personen geht die Autorin sparsam mit Details um. Dennoch schafft sie es, Bilder der Charaktere entstehen zu lassen.
Eine Stärke des Buches ist seine besondere Thematik. Wie ist es, wenn die Nieren nicht mehr ihren Dienst tun? Wie läuft eine Dialyse ab, wie eine Transplantation? Antworten auf diese Frage habe ich erwartet und auch bekommen. Wer sich vorher noch nicht mit einer chronischen Niereninsuffizienz beschäftigt hat, kann interessante Informationen aus dem Buch ziehen. Dadurch wurde mir das Thema nicht nur nähergebracht, sondern man wird auch zum Nachdenken angeregt.
Das Buch kommt unaufgeregt daher. Es verzichtet auf übermäßige Dramatik und kommt gänzlich ohne kitschige Passagen aus. Mit nur etwas mehr als 200 Seiten ist es zudem recht kurz. Dennoch konnte mich das Buch sowohl fesseln als auch emotional bewegen. Trotz der ernsten Thematik blitzt immer wieder etwas Humor durch.
Der philosophische Titel trifft meinen Geschmack. Er erschließt sich nicht auf Anhieb und wird erst nach der vollständigen Lektüre in Gänze verständlich. Das dazu passende Cover gefällt mir ebenfalls.
Mein Fazit: „Wenn man den Himmel umdreht, ist er ein Meer“ von Tabea Hertzog hebt sich auf erfrischende Weise von der Sachbuchliteratur ab, in denen es um Erfahrungsberichte geht. Die Autorin verarbeitet ihre eigene Geschichte auf literarisch interessante Weise. Eine ungewöhnliche Lektüre, die ich in mehrfacher Hinsicht empfehlen kann.
Gestern hab ich dieses Buch entdeckt ohne dass ich es vorher kannte, geschweige denn auf Social Media gesehen habe. Ich habe mich in das Tagebuchartige Schreiben der Autorin verliebt. Ebenso dass es auf einer wahren Geschichte basiert hat es nochmal bedeutender gemacht. Es liegt manchmal leicht und doch manchmal schwer auf dem Herzen. Es ist eine Sicht, die ich nicht kenne. Ganz viel vom Leben aus der Sicht einer Patientin und dann doch wie es danach ist, nicht mehr diese zu sein. Das Buch hat mir sehr gut gefallen.
Das hat mir echt gut gefallen, obwohl das Buch zwischendurch ziemlich deprimierend ist. Mir hat leider oft der Bezug zu den Figuren gefehlt, der Schreibstil war aber super!
„Manchmal ist es besser, dass alles neu ist, als umgekehrt. (…) Manche Erfahrungen noch nicht gemacht zu haben bedeutet auch, dass der Umgang damit noch nicht von Gefühlen vorbelastet ist.“
Für mich war der Roman sehr besonders. Das Buch hat mich unglaublich mit seiner ruhigen, zarten und emotionalen Schreibweise ergriffen. Tabea erfährt an ihrem 30. Geburtstag von ihrer chronischen Niereninsuffizienz. Auf sie wartet ein langer Weg von Dialyseterminen, Zeit und Krankenhausaufenthalten. Dabei beschreibt Hertzog sensationell und berührend von ihrem Alltag, Ängsten, Hoffnungen und Zweifeln. Die junge Frau hat dabei vor allem mit sich selbst zu kämpfen: kann sie ihrem Vater vertrauen? Ihrem Körper? Ändern sich Freundschaften? Hertzog ist nicht die typische Patientin: am liebsten würde sie sich zurückziehen, verstecken und für sich sein. Stattdessen wird sie mit der fünftägigen Aufenthalt mit ihrem Vater in einem Zimmer konfrontiert und muss sich dem stellen. Absolut lesenswert!
Das Buch hat mich nicht so sehr gefesselt, weil mir ihre Art zu schreiben nicht so gefallen hat. Andererseits hat es gut gepasst. Das Buch hatte in der trockenen Art manchmal sehr viel Witz und dann auch wieder Tragik. Es ist immer wieder unglaublich, dass Menschen solch eine Operation möglich machen. Manche Gedanken habe ich gut verstanden, manche waren allerdings sehr weit entfernt für mich. Trotzdem eine Empfehlung.