Ich habe geweint ... erzählte mir meine Tochter, als sie von der Stufenfahrt aus Berlin zurückkehrte. Sie hatte in Hohenschönhausen, einem der ehemaligen Gefängnisse der Stasi der DDR, den Autor des schmalen Bändchens „Mit dem Moskau-Paris-Express in die Freiheit“ getroffen, dessen Bericht sie offensichtlich aufs Tiefste angerührt hatte.
Grund für mich genug, zu diesem Buch zu greifen. Karl-Heinz Richter schildert die Situation in Berlin in den frühen sechziger Jahren nach dem Bau der Mauer. Es geht um seinen unbändigen Willen, die DDR zu verlassen auch wenn er weiß, dass er Eltern und Freundin zurücklassen muss. Sein Fluchtversuch nach Westberlin im Januar 1964 scheitert jedoch und er kommt ins Gefängnis.
Fast atemlos liest man seinen Bericht über die Umstände und die Willkür im Gefängnis – und das nur so wenige Jahre nach der Willkür der NS-Diktatur. Trotz unmenschlichster Zustände lässt sich Karl-Heinz Richter nicht verbiegen und bietet seinen Peinigern auch unter größten Schmerzen die Stirn.
Sehr viel später, beim Studium seiner Stasi-Akten, stellt er fest, dass Staatsanwaltschaft und Stasi sich gar nicht einig waren, was ihn und sein „Vergehen“ betraf. Auch solche Erkentnisse machen dieses schmale Bändchen zu einem lesenswerten Stück Zeitgeschichte. #lesechallenge2019 #prompt5