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Das Ende der westlichen Weltordnung. Eine Erkundung auf vier Kontinenten

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Jenseits aller Gewissheiten


Frieden und Wohlstand in Europa sind längst nicht mehr selbstverständlich und die Bedeutung des Westens als geopolitische Macht und Norm stiftende Einheit schrumpft rapide. Wir im Westen bestimmen längst nicht mehr den Lauf der Welt - und vielleicht taten wir das auch nie wirklich. Andrea Böhm lässt alte Gewissheiten hinter sich und bereist die Orte jenseits der westlichen Weltordnung, die vielleicht unser aller Zukunft bestimmen werden.

272 pages, Paperback

First published September 1, 2017

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About the author

Andrea Böhm

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Profile Image for RRvbin.
37 reviews
February 18, 2022
Die deutsche Journalistin Andrea Böhm erzählt in diesem ihren Buch über ihre Reisen in "periphere" Regionen und schildert die allmähliche Veränderung ihrer Weltsicht. Als Journalistin verbrachte sie einige Jahre als Korrespondentin in Washington und lebt zur Zeit der Entstehung des Buches (2017) in Beirut. Erzählt wird von ihren Reisen nach Venedig, Mogadishu, Hargeisa, Guangzhou (Kanton), Bagdad, Basra, Alexandria, Libyen, Gaza, Tel Aviv und "Nowa Amerika", die deutsch-polnische Grenzregion rund um "Slubfurt" (Frankfurt/Oder & Slubice).
Auf ihren Reisen wird sie begleitet von verschiedensten Menschen (und Fra Mauro, der venezianische Kartograph des 15. Jahrhunderts, der die gesüdete und außerordentlich detaillierte mappa mundi entwarf) mit ihren eigenen Geschichten. Im Gedächtnis blieben mir die Krankenhausleiterin in Hargeisa die zeit ihres Lebens First Lady war und Länder auf der ganzen Welt bereiste, nun aber im Krankenhaus lebt. Die afrikanische Community in Guangzhou, die monatlich nach Macau oder Hongkong reist, um ihre Aufenthaltserlaubnis zu erneuern. Der junge Läufer aus Bagdad, der versuchte das Leben im Irak zu modernisieren, letztlich trotzdem in die USA migrierte. Die Regisseurin und Schauspielerin aus Bagdad, die aneckte und mit ihren Inszenierungen die Ängste der Menschen aussprach. Der Scheich in Qurna, dessen Macht die jeder Justiz überflügelt. Der Gründer "Nowa Amerikas", der durch seine Kreativität einen neuen, alten Blick auf die Welt eröffnete.
Bei Lektüre dieses Buches lernt man über historische Personen, Geschichten und Orte, die in der westlichen Geschichtserzählung wenig Beachtung finden. Beispielsweise die Opiumkriege in China, Napoleon in Ägypten, die Bücherei enzyklopädischen Wissens in Alexandria, die Unterschiede zwischen Somalia und Somaliland, die einstige Dominanz Chinas gegenüber London und die zerstörerischen Auswirkungen der despotischen Führer Saddam Hussein und Ayatollah Khomeini im Iran und Irak.
Außerdem wurde über die Seiten hindurch die Ambivalenz der "westlichen Moral" aufgezeigt. Während man einerseits die Menschenrechte, Freiheit des Einzelnen und gegenseitigen Respekt predigt fiel man Asien und Afrika ein und errichtete menschenunwürdige Kolonialstaaten unter Berufung der "Rassenhoheit". Die Person des Donald Trump zeigt offenkundig, dass die Werte die wir für die unseren halten, nicht universal westlich sind. Ein patriotischer Amerikaner, der die demokratischen und offenen Werte, die einst erkämpft wurden, klar ablehnt. Die Personen die, die einzelnen Kapitel dieses Buches, die die einzelnen Kapitel begleiten, zeigen vielmehr, dass "unsere Werte" nicht auf unsere Welt begrenzt sind und, dass überall dafür gekämpft werden musste und muss.
Meine Sicht auf die Welt hat sich tatsächlich etwas geändert. Besonders die afrikanische Community in Guangzhou, zeigt mir, dass Europa und Nordamerika lange nicht mehr die einzige Alternative für ein besseres Leben sind (wenn die es denn je waren). Auch die aufgeführte Tatsache, dass Länder wie Kenia, Südafrika, Iran , Pakistan und die Türkei die "beliebtesten" Migrationsdestinationen sind, trägt viel zu einem besserem Verständnis der Welt bei. Zusätzlich ist das Beispiel von Somaliland, fernab von jeglicher bedeutender Politik und nur von Taiwan als souverän anerkannt, ist prägnant. Während der große Bruder Somalia unter Auslandsinterventionen zerbricht, konnte sich weiter nördlich ein ansatzweise demokratisches und vor allem stabiles Land entwickeln. Des Weiteren habe ich gelernt, dass Taiwan nach dem Chinesisch-Japanischen Krieg um den Status Koreas für 50 Jahre (bis 1945) unter japanische Kontrolle geriet. Auch der chinesische Blick auf die arabische Welt und Afrika eröffneten mir eine neue Perspektive. Während man in Europa Bagdad als den Herd allen Elends deklarierte, entstanden in Peking Pläne über eine Zugverbindung von Peking nach Bagdad unter Leitung der neu gegründeten AIIB. Natürlich gehen diese Projekte mit dem Ausbau der politischen Präsenz in diesen Regionen einher, weswegen eine wechselseitige Abhängigkeit herrscht. Interessant war zudem, die jüngere Geschichte Bagdads, mit Jazz-Konzerten und westlichen Kinofilmen. Die vor 60 Jahren entstandenen Bilder zeigen, dass Krieg kein Dauerzustand sein muss.

Insgesamt hat mir das Buch, eine interessante Perspektive auf die Welt aufgezeigt. Mir ist klarer geworden, dass arabische, chinesische, asiatische und afrikanische Geschichte und Wissen hier kaum gelehrt werden. Ein Eintauchen in das Wissen und Weltsicht in diesen Regionen helfen selbstständig zu denken. Klar ist; dass Zentrum der mappa mundi wird sich unaufhaltsam gen Osten bewegen und es liegt diesmal an uns, uns anzupassen.
Ich hätte ein Personenverzeichnis und möglicherweise ein Stichwortverzeichnis begrüßt, da ich bei all den Namen, Orten und Ereignissen teilweise durcheinander kam.
Profile Image for Ulrich Baer.
Author 84 books15 followers
May 6, 2018
Andrea Böhm durchreist die Welt auf Spuren einer Karte, auf der sich alles verbinden ließe. In verschiedenen Etappen in Afrika, China, Amerika, und dem Nahen Osten folgt sie dem venezianischen Klosterbruder Mauro, der im 15. Jahrhundert eine Weltkarte, vielmehr ein riesiges Bild der Welt, entwirft, auf der sich unmöglich viel abspielt. Das Buch wird zu einem Brief an den Kartenzeichner vor 500 Jahren im damals unglaublich mächtigen Venedig, der ein ehrliches Bild der ganzen Welt zeichnen wollte -- und doch letztendlich sich selbst, und die Macht seiner Stadt, ins Zentrum setzte.
Kann es eine andere Sichtweise geben? Können wir die Welt aus verschiedenen Punkten zugleich sehen, oder setzt sich schliesslich immer die mächtigste, brutalste, stärkste Sichtweise durch?

Auf ihrer modernen Reise als westliche Journalistin trifft Andrea Böhm, die sonst für Die Zeit schreibt, auf Menschen in zum Teil sehr schwierigen Situationen und Kontexten mit soviel Hoffnung, Courage, Optimismus und Spontanität, wie sie diese in Europa zu vermissen beginnt. Immer deutlicher erscheint der im europäischen Anspruch der universellen Aufklärung auftretende „Widerspruch zwischen der Rhetorik universeller Freiheit und Menschenwürde und der Praxis von Macht und Gewalt im eigenen, nationalen Interesse“. Lässt sich Gemeinsames finden, wenn die Idee des Universellen soviel Ausbeutung gerechtfertigt hat? Kann man als Europäer verstehen, dass Menschen in China und Afrika sich nicht an Europa orientieren, sondern auch im Zentrum ihrer Welten stehen?

Ein ungemein kluges, spannend geschriebenes, sehr ehrliches und wichtiges Buch. Obgleich es ernüchternd ist, hat es bei mir doch den Eindruck hinterlassen, dass man sich als Europäer von der Welt etwas beibringen lassen kann, was Europa langsam verloren hat: die Offenheit, von anderen Menschen zu lernen.
Profile Image for Rinin.
73 reviews1 follower
June 9, 2020
4 Worte:
Brief
süden
gross
entscheiden
Profile Image for Maria.
30 reviews3 followers
Read
December 21, 2018
DNF
Schreibstil war einfach nicht so meins. Das Buch mag gut sein. Aber ich lese immer mehrere gleichzeitig und habe nach diesem hier seit Monaten nicht gegriffen. Also weg damit.
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