Von Biebricher habe ich bereits ,,Mitte/Rechts" gelesen und war hellauf begeistert. Ich bin durch dieses 600 Seiten Werk gepflügt. Daher nahm ich das selbe für seine Studie über den deutschen Konservatismus an, ist der mir doch deutlich vertrauter von Ereignissen und Personal her. Jedoch war die Gemengelage eine deutlich andere.
Biebricher legte den Schwerpunkt in meinen Augen deutlich mehr auf Ideen-, als auf Ereignisgeschichte. Das war zwar immer etwas, was ich dachte was mir gefallen würde, nur war es diesmal echt zu viel für mich. Zu viele Namen, zu viele Konzepte und meistens waren Unterschiede nur marginal, wodurch sich eine gewisse Redundanz ergab.
Das fiel mir besonders bei Kapitel 1 (Was ist konservativ?) 3 (Neokonservatives Denken) und auch sonst bezieht sich Biebricher immer wieder rück auf diese Vorannahmen.
Irgendwann sind die ganzen Gehlens, Lübbes, Burkes, Noltes (Paul wie Ernst), Ritter, Udo di Fabio und mehr einfach zu viel.
Positiv hervorzuheben sind aber z. B. das Kapitel zu Merkel und ihrer Regierungszeit. Wann immer es ereignisgeschichtlicher wird, verstand ich wieso Biebricher die ,,Krise des Konservatismus" anders definiert und wenn überhaupt deutlich vor Merz, Laschet oder Merkels ,,Sozialdemokratisierung" der CDU sieht.
Stattdessen arbeitet er toll heraus wie sich der Konservatismus ja aufgrund seiner Reaktivität meist in einem inhaltleeren Zustand befand, nicht erst seit dem Regieren ,,des auf Sicht Fahrens".
Generell ist es gut geschrieben und durch die häufige Betonung der konservativen Kernanliegen, autoritärer Staat aufgrund der schon von Grund auf fehlerhaften Natur des Menschen, Institutionen die ihn kontrollieren, intaktes und souveränes Staatsgebiet und -volk, bleibt dies im Gedächtnis.
Jetzt steh ich aber vor dem Dilemma dem Buch auf goodreads genauso viel wie dem mir deutlich besser gefallenen Buch ,,Mitte/Rechts" zu geben. Das fühlt sich irgendwo falsch an und andererseits glaube ich dass ich irgendwann später mit mehr Wissen einen noch größeren Gewinn hieraus ziehen kann.