Felicitas hat trotz ihrer jüdischer Wurzeln Nazideutschland überlebt. Ein unerwartetes Erbe führt die junge Frau Anfang der 1960er-Jahre in den Süden der Vereinigten Staaten, mitten hinein in die brodelnden Rassenunruhen. Trotz aller Warnungen freundet sie sich mit ihren farbigen Nachbarn an - und macht sich damit rasch Feinde, die bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen. Welchem ihrer neuen Nachbarn kann sie trauen? Ein riskantes Verwirrspiel inmitten der aufgeheizten Stimmung am Mississippi nimmt seinen Lauf...
Felicitas arbeitet als Fotografin 1963 in Deutschland. Kaum einer weiß von ihren jüdischen Wurzeln und auch Felicitas ist sich dieser nicht mehr wirklich bewusst. Vielmehr lebt sie für ihren Beruf. Als sie plötzlich eine Erbschaft macht, überlegt sie nicht lange, sondern stürzt sich gleich ins Abenteuer.
Mitten in der Pampa, im Süden der Vereinigten Staaten findet Felicitas ein neues Zuhause. Doch ganz so harmonisch geht es nicht zu. Im Süden der Vereinigten Staaten brodeln die Rassenunruhen und Felicitas gerät zwischen die Fronten. Wem kann Felicitas noch trauen und was geschah mit ihrer angeblichen Verwandten, die allem Anschein nach ermordet wurde?
Elisabeth Büchle nahm mich in ihrem neuen Roman mit in den Süden der Vereinigten Staaten und warf mich mitten in die dort brodelnden Rassenunruhen. Gemeinsam mit Felicitas, die zum einen ein wenig naiv, zum anderen aber dennoch sehr taff, clever und wortgewandt ist, versuchte ich Freund und Feind zu unterscheiden. Nicht nur die Anfeindungen der Schwarzen stoßen bei Felicitas auf Unverständnis, auch der Klu-Klux-Klan trieb die junge Frau zur Verzweiflung. Bildhaft beschreibt die Autorin, auf welche Zustände Felicitas trifft, wie sich die Menschen (egal welcher Hautfarbe) sich fühlen und man bekommt ein sehr farbenprächtiges Bild nicht nur von der Umgebung, sondern auch von den Einwohnern.
Die Spannung hatte mich nach wenigen Seiten gepackt und ich wollte das Buch eigentlich nicht mehr aus der Hand legen, musste aber dennoch manchmal unterbrechen. Viel passiert und muss verarbeitet werden. Auch gibt es mehrere Perspektivenwechsel, bei denen beispielsweise die Autorin noch einen anderen Schauplatz bei der Freundin von Felicitas aufmacht.
Geheimnisse, ungeklärte Todesfälle und seltsame Vorkommnisse lassen Felicitas und den Leser zu Detektiven werden, die gemeinsam versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.
Fazit: Wieder ein sehr guter Roman von Elisabeth Büchle, bei dem man sich dank der schönen und bildhaften Schreibweise schnell an der Seite der Protagonisten wiederfindet und eintaucht in eine Welt, die ebenso schön wie verstörend ist. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Buch der Autorin und kann dieses hier nur weiterempfehlen!
Bereits im Roman "Gute Geister" von Kathryn Stockett hat mich der Rassismus in den 1960igern im Süden der USA schockiert. Ich konnte es nicht fassen, dass es vor rund 50 Jahren im "fortschrittlichen" Amerika Zustände gab, die mich eher an die Zeit der Sklavenhaltung erinnerten. Die Gesichter derjenigen hätte ich gerne gesehen, als die USA den ersten schwarzen Präsidenten wählte! Nun...eine Frau hat es noch immer nicht geschafft...
Zurück zu den 1960igern. Zu dieser Zeit tritt Felicitas, eine junge Deutsche mit jüdischen Wurzeln, ein unverhofftes Erbe an. Als einzige Überlebende des Holocaust hält sie, außer ihrer Freundin Kerstin und ihrem Job als Fotografin, nichts mehr in Deutschland. Kerstin, die mit einem Piloten der US-Army liiert ist, überlegt allerdings ebenfalls mit Christopher nach Amerika auszuwandern. Als Felicitas in Wilkinson County, Mississippi ankommt, ist sie gänzlich unbefangen was Rassentrennung angeht - vorallem auch wegen ihrer eigenen Vergangenheit. Ihre offene und liebenswürdige Art hilft ihr schnell in der kleinen Stadt, sowie im eigens gelegenen Dorf der Schwarzen, Anschluss zu finden. Doch gerade ihre Unbeschwertheit den farbigen Menschen gegenüber ist manchen Bewohnern ein Dorn im Auge. Und so erhält Felicitas in ihrem neuen Heim, das zwar idyllisch, aber sehr abgeschieden liegt, bald Besuch von den berühmt berüchtigten weißen Kapuzenmännern, dem Klu-Klux-Klan. Als durchsickert, dass sie Jüdin ist, steht sie noch mehr im Zentrum der Vereinigung, die nicht nur auf Schwarze, sondern auch auf Juden und Katholiken Hatz macht. Nur durch die Hilfe der beiden engagierten Sheriffs Landon Brown und John Johnson ist sie erstmals sicher. Doch ihr fotografisches Gedächtnis erinnert sie an einen blinkenden Sheriffstern beim letzten Übergriff der Kapuzenmänner. Wen kann sie eigentlich noch trauen? Und was geschah mit der Frau, die vor ihr im Haus wohnte und auf mysteriöse Art gestorben ist? Als Kerstin in Deutschland auch noch Hinweise bekommt, dass die Nachlasspapiere Ungereimtheiten aufzeigen, sind beide Frauen mehr als beunruhigt...
Elisabeth Büchle ist mit "Mehr als nur ein Traum" ein wahrhaft großartiger Roman gelungen, der viele Themen beinhaltet und auch einen tollen Spannungsbogen aufweisen kann. In der Geschichte nehmen die Rassenunruhen in den Südstaaten der USA eine tragende Rolle ein. Dazu hat die Autorin auch einige historische Begebenheiten und Personen einflochten. J.F. Kennedy, Martin Luther King, sowie der bereits im Kern beginnende Vietnamkrieg sind genauso Themen, wie der Kampf gegen den Drogensumpf. Mit dem Perspektivenwechsel nach Vietnam erzählt Büchle ebenso brilliant über den schwelenden Konflikt zwischen dem Norden und Süden des Landes, den Glaubenskriegen und dem Einsatz der US Army, sowie den beginnenden Drogenhandel und der Prostitution.
Charaktere: Felicitas ist ein sehr vielschichtiger Charakter. Trotz ihrer schweren Kindheit ist sie eine offene, herzliche und hilfsbereite Frau. Sie hat ein fotografisches Gedächtnis und ist vollkommen unvoreingenommen. Auf der anderen Seite ist sie etwas tollpatschig, naiv und chaotisch. Sie hat Mut und lässt sich nicht so schnell von ihrem Weg abbringen. Sie setzt sich für Gerechtigkeit ein und nimmt auch selbst die Dinge in die Hand. Sheriff Landon bleibt bis zum Ende hin ein undurchschhaubarer Charakter. Ich konnte ihn bis zum Ende nicht in Gut oder Böse einordnen, auch wenn ich immer etwas mehr zu den Guten tendierte. Das beruhte aber auch darauf, dass er ebenfalls den Schwarzen gegenüber gerecht und freundschaftlich gegenüber trat. Kerstin und vorallem Christopher, den wir in einem eigenen Handlungsstrang nach Vietnam begleiten, nehmen ebenfalls einen Teil der Geschichte ein. Die restlichen Nebenfiguren sind ebenfalls sehr authenisch und sprühen teilweise nur so vor Leben. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Birdie, die im Dorf der Schwarzen lebt. Und noch kurz erwähnt...nicht nur der Inhalt, sondern auch das Cover ist einfach mehr als nur ein Traum!
Schreibstil: Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend, lebendig und sehr bildhaft. Die beschriebene Zeitspanne wurde hervorragend recherchiert. Historische Persönlichkeiten wurden in die fiktive Geschichte miteinbezogen. Dadurch erhält man beim Lesen das Gefühl inmitten einer wahren Geschichte zu sein, die fesselt und mitreißt. Die wunderbare Erzählweise und Sprache der Autorin sind ein weiterer Pluspunkt. Die Geschichte ist in fünf Teile aufgeteilt, die sich über die Jahre 1960-1964 aufteilen. Das Schriftbild des Buches ist eher klein und der Roman besitzt eine Dichte, die etwas mehr Lesezeit beansprucht. Zum einfach "kurz dazwischenlesen" ist die Geschichte nicht geeignet. Aber wer einmal begonnen hat, greift sowieso zu keinem anderen Roman.
Fazit: Dieser tiefgründige Roman beinhaltet einfach alles, was man sich für einen bewegenden und interessanten Leseabend wünscht: spannende Handlung mit überraschenden Wendungen, lebendige Charaktere und Landschaften, sowie die hervorragende Recherche der Autorin. Meiner Meinung ist "Mehr als nur ein Traum" das bisher beste Buch der Autorin! Von mir gibt es eine dicke Leseempfehlung und den "Lieblingsbuch" Status!
In dem Buch "Mehr als nur ein Traum" trifft eine von den Nazis verfolgte deutsche Jüdin in den 1960er Jahren im Süden von den Vereinigten Staaten erneut auf Rassenprobleme und ehe sie sich versieht, steht sie zwischen den Fronten.
Der Roman geht tief in die soziale Diskriminierung von Schwarzen in den USA ein. Durch die jüdische Feli bekommt der Leser eine plausible Protagonistin, durch die er die Ereignisse wahrnimmt, die die Problematik realistisch differenziert betrachten kann, so dass die Geschichte nicht polarisierend ist. In diesem Buch wird weder gegen oder für eine Seite Partei ergriffen, sondern ich finde, der Autorin ist es gelungen, beide Seiten differenziert und sympathisch darzustellen - mit all den vielschichtigen Problemen, die eben dazugehören, also verharmlost wird hier ebenso wenig.
Gerade diese Vielschichtigkeit ist in den einzelnen Personen erkennbar. Es gibt nicht DEN guten Schwarzen und DEN bösen weißen Rassisten. Erstmal lernt man die Personen wertfrei kennen und im Laufe der Geschichte zeichnet sich dann eben ab, wie wer wo steht. Da kommt auf jeden Fall die ein oder andere Überraschung auf einen zu. Auch gibt es immer wieder schöne Momente, so dass der Rassismus nicht überhand nimmt und das Buch den Leser völlig verstört zurück lässt. Lediglich mit der Protagonistin Feli hatte ich hin und wieder meine Schwierigkeiten. Sie ist zwar nett und sympathisch, aber manchmal vielleicht einen Ticken zu sehr. Alle Probleme werden mehr oder weniger durch ihre Tollpatschigkeit ausgelöst, was sie zwar auch sympathisch macht, aber mir persönlich manchmal ein wenig zu viel des Guten war. Doch wurde das auch nicht so sehr ausgereizt, als dass ich irgendwann völlig entnervt gewesen war. Zu jedem Zeitpunkt habe ich gerne in dem Buch gelesen.
Das liegt vor allem auch an der wundervollen bildhaften Sprache von der Autorin. Rasch entsteht ein traumhaftes Setting und schnell nimmt das Buch so Fahrt auf, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen will. Der Lesesog ist - sobald man einmal in die Geschichte hinein gefunden hat - unglaublich stark.