Dieses Buch bietet eine Auswahl von Texten über Arno Schmidt und sein einzigartiges Werk, die im Laufe von fünfzig Jahren geschrieben wurden. Der einleitende Rückblick berichtet darüber, warum die zehn Erzählungen des Bandes Kühe in Halbtrauer den Autor im Sommer 1964 so in ihren Bann schlugen, daß er fortan Leben und Werk von Arno Schmidt mit Beiträgen in Zeitungen, Rundfunk und wissenschaftlichen Publikationen begleitete. 1970 war der Autor einer der fünf Fans, die im Gasthaus Bangemann in Schmidts Wohnort Bargfeld das Erscheinen von Zettels Traum feierten und dabei den Jux von der Gründung des Arno-Schmidt-Dechiffrier-Syndikats in die Feuilleton-Welt setzten – daraus wurde die Zeitschrift Bargfelder Bote, die sich nur Schmidts Werken widmet und immer noch erscheint. Aus Briefwechsel und Treffen mit Ernst Krawehl (1909-1993), dem langjährigen Verleger und Lektor von Arno Schmidt, erwuchs die Idee zu einem einstündigen Rundfunk-Gespräch, in dem Krawehl die Erfahrungen mit seinem Autor und dem Verlegen seiner Bücher bilanzierte. Die Abschrift des 1989 vom WDR gesendeten Gespräches ist ein Schwerpunkt dieses Buches.
Ausgewählte Beiträge aus 50 Jahren - in Worten: Fünfzig! Ja, durchzuckt es mich, ein ZeitGenosse ist Arno Schmidt nicht mehr; nicht, wie er das für mich als Fast=noch=Jungleser in den Achtzigern "gefühlt" war, trotzdem er auch da schon ins Elysium entschwunden war. An Relevanz hat Schmidt für mich nie eingebüßt, historisch ist er gleichwohl geworden. Fast mein ganzes Leseleben hat er mich begleitet, abzüglich einiger Jahre, in denen ich mich verpflichtet fühlte, ihm seiner Alleswissereien wegen zürnen zu müssen. Da musste mein Humor verspätet ein paar Nachhilfestunden nehmen, da musste mich die allerorten zunehmende Beliebigkeit nochmals belehren und mit der Nase draufstoßen, wie bedingungslos Schmidt für die Literatur & seine Überzeugungen gelebt hat, für nichts anderes, wie kaum ein anderer sonst. Und nicht ohne Melancholie ist festzustellen, dass Weg- und Werkbegleiter, - nun, vielleicht nicht der ersten Stunde, aber der ersten Jahre -, rar werden. Einer dieser frühen Begleiter ist Hartwig Suhrbier, der im Mai 1970 im Gasthaus Bangemann das Erscheinen von ZETTEL´S TRAUM feierte, zusammen mit Jörg Drews, Wolfram Schütte, Jürgen Fritsch und Günther Flemming. Folgenlos blieb der Konvent nicht, und aus dem Zeitungs=Hoax des angeblich gegründeten Arno-Schmidt-Dechiffrier-Syndikats erwuchs der Bargfelder Bote. An dieses erste Treffen erinnert sich Hartwig Suhrbier im vorliegenden Buch, und auch daran, wie er als Leser überhaupt an Arno Schmidt geriet. Versammelt sind weiter einige kurze journalistische Arbeiten über Schmidt, seine Bücher und ihre Publikation; 1 Herzstück ist die Abschrift eines längeren Radiointerviews, das Suhrbier mit Schmidts langjährigem Verleger Ernst Krawehl 1989 für den WDR führte. Länger als fast alle anderen Beziehungen Schmidts hielt die zu seinem Verleger, vielleicht gerade deshalb, weil sie über 2 1/2 Jahrzehnte immer sachbezogen blieb und nie (zu) persönlich wurde. Krawehls Erinnerung an seinen ersten Besuch 1955 bei Schmidts in Kastel an der Saar ist ein so aufschlussreiches wie skurriles Kabinettstück, und das Bild des unbeholfen zum Abschied winkende Ehepaar Schmidt vergisst sich nicht leicht. Zumindest vom Umfang her ist eine zweite Säule, auf der das Buch ruht, der Aufsatz über Arno Schmidt und Fritz Reuter, zwei "vagelbunte Wortspieler". Die von Suhrbier gesammelten Beiträge sind weniger literaturwissenschaftliche Analysen als ein Rückblick auf die Veröffentlichungs- und Rezeptionsgeschichte von Schmidts Büchern. Kein Blick zurück im Zorn, im Gegenteil, ein warmherziger, bewundernder Blick, und, ich kann mir nicht helfen: ein wenig Abschiednahme scheint mir auch darin zu liegen.