Ist die Psychotherapie heutzutage überhaupt noch in der Lage, ihre Aufgaben auszuführen, und sind die Therapeuten nicht selbst längst ein Spiegelbild all der Störungen geworden, die sie eigentlich behandeln sollten?Mit dieser provozierenden Fragestellung und einer guten Portion Humor und Selbstironie spricht Eva Jaeggi die zahlreichen Facetten der psychotherapeutischen Tätigkeit an, die Probleme der Berufsausübung ebenso wie die der Berufsausbildung und die Motive der Weniger die Eignung als vielmehr die Neigung steht bei diesem Berufswunsch im Vordergrund. Mit hochgeschraubten Erwartungen an sich selbst treten diese scheinbar »berufenen« Helfer an, doch was sie im Therapeutenalltag bald einholt, sind Hilflosigkeit, Scham, Lustlosigkeit oder gar Burn-Out.Das beruhigende Fazit lautet Es scheint gar nicht so sehr auf die menschlichen Unzulänglichkeiten anzukommen. Therapien gelingen trotz alledem!
Viele Perspektiven auf den psychotherapeutischen Beruf, Eva Jaeggi schreibt anschaulich und eingängig und ihre Art zu denken ist inspirierend. Ihre kritischen Gedanken haben die nötige Distanz und das Buch lebt von ihrer langen Erfahrung in mehreren Schulen. Spannend ist vor allem auch der Blick auf die seitdem passierten Veränderungen im Bereich der Psychotherapie aus heutiger Sicht
leider zutiefst unsympathisch und pretentious. Ich hab nichts weltbewegendes gelernt, außer dass ich definitiv keine Ausbildung in der Analyse machen werde. You guys okay over there?