Phantastische GeschichtenWillkommen im Universum phantastischer Begegnungen, wo Aliens auf Violinen treffen, Bewerberinnen vor gekrönten Häuptern fliehen, Spiegelbilder ein Eigenleben führen und Nachbarn unheimlich poltern. Wo Todesengel menschlich sind, Freier dagegen nicht. Wo Regenwolken altes Wissen verbergen, Generäle inkognito leben und Traumgötter den Weg weisen.
Nadja Neufeldt kenne ich aus dem Literaturschockforum und wir sind auf Facebook befreundet, weil wir den gleichen Lesegeschmack teilen. So ganz klammheimlich hat sie ein Buch geschrieben und veröffentlicht. Und ich? Ich bin lange drumherum geschlichen, weil ich bisher mit Büchern von Leuten, die ich kannte, nicht die besten Erfahrungen gemacht habe und dann immer in der Bredouille saß, wenn mir das Buch so gar nicht gefiel. Ich kenne einige Leute, die schreiben. Veröffentlicht sind davon bisher nun 3. Eine weitere steht in den Startlöchern, aber ihre Geschichten kenne ich seit Jahren und weiß, dass sie super sein werden, wenn ich sie lese. Bei Nadja war ich etwas vorsichtig, kannte ich doch so gar nichts von ihrem Geschriebenen und wusste nicht, was mich erwartete.
Aber Titel und Cover haben mich einfach in den Bann gezogen und nachdem ich das Buch dann endlich gelesen habe, bin ich froh drum.
Erstkontakt mit Violine (allein bei dem Titel komme ich ins Schwärmen) vereint zwischen seinen Buchdeckeln Kurzgeschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Beim Lesen stellte ich dann mit Begeisterung fest, dass Nadja nicht nur sehr gut schreiben sondern auch gut Geschichten erzählen kann. Zwei Dinge, die nicht jeder Autor beherrscht. Meine absoluten Favoriten waren die beiden Geschichten Der Regen und Der General. Beide habe ich direkt zweimal gelesen.
Die Ideen, die Nadja Neufeldt hier in ihre kurzen Geschichten einfließen lässt sind einfach herrlich. Eine Vorstellungskraft, die ich liebend gern mal in einem vollen Roman veröffentlicht sehen möchte. Ich denke, hier gibt es extrem viel Potential für ganze und neue Welten der Phantastik.
Besonders bei der titelgebenden Kurzgeschichte Erstkontakt mit Violine hätte ich mir mindesten 300 Seiten mehr gewünscht, um die Welt von Anzhan’D zu erforschen und das Schicksal der Violinistin weiterzuverfolgen.
Fazit: Mit Erstkontakt mit Violine liefert Nadja Neufeldt ein tolles Debüt ab, dass sich hinter anderen Kurzgeschichten des Genres absolut nicht verstecken muss. Ich empfehle es jedem, der gern mal ein paar Geschichten zwischendurch schmökern möchte, die die Fantasie anregen und einen manche Dinge im Kopf weiterspinnen lassen. Und auch wenn ich Nadja kenne, so kann ich hier ruhigen Gewissens sagen, dass meine Begeisterung für das Buch von unserer Bekanntschaft unbeeinflusst ist. Liebe Nadja, bitte schreib mehr.
Hat mir gut gefallen. Die Sprache ist erfrischend klar und schnörkellos. Die Geschichten sind abwechslungsreich, nicht primär SciFi. Den Leser erwarten alltägliche Szenen, in denen sich plötzlich ein Abgrund oder eine Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit auftut, und inspirierende neue Blickwinkel, wie zum Beispiel bei „Im Regen“ oder „Erstkontakt mit Violine“.
„Im Regen“ gefällt mir besonders. Der faszinierende Blick durch die Augen eines Alien-Wesens auf seine eigene, ihm selbstverständliche Welt, und auf die Besucher aus einer anderen, uns selbstverständlichen Welt. Ich mochte den friedfertigen, felligen Mashomari Kharllian und die den Mashomari eigene Fähigkeit, Gefühle bewusst wie einen Geruch „verströmen“ zu können.
Die Träumende: Einblick in ein originelles Ritual der Brautwahl, schön erzählt. Auch wenn ich die ganze Zeit darauf gehofft habe, dass Yl-Anor am Ende auf einen schlafenden Knecht treffen würde.
Man wüsste gern genauer, was der biestige Freier Leanden – gewissermaßen ein Traummann mit fifty shades of black, aber ohne rettendes Safeword – mit der Welt vorhat.
„Die lieben Nachbarn“ brachten mich zum Lachen, da kam so ein Hauch von Beetlejuice auf. Kontrastprogramm dazu war „Der Todesengel“, eine beklemmende Episode.
Im titelgebenden „Erstkontakt mit Violine“ hätte ich mir mehr Begegnung, mehr Reibung zwischen Mensch und Alien gewünscht. Das Alien-Wesen Anzhan’D, der menschlichen Intelligenz unerreichbar überlegen, wird vom Klang menschlicher Musik so gepackt, dass es die Geigerin gleich mit sich nimmt. Man hofft auf eine Entwicklung, aber es bleibt dabei, dass Anzhan‘D sich die Musikerin wie einen Gegenstand aneignet. Oder wird sich doch eine Annäherung, eine Verständigung entwickeln, über die Sprache der Musik?
Nicht nur diese Geschichte möchte man gern noch weiterverfolgen oder selbst weiterspinnen. Ich freue mich auf mehr von der Autorin.
Der gemeinsame Nenner fast aller Kurzgeschichten lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Gut geschrieben, professionell lektoriert, kreativ.
Alle Geschichten sind im phantastischen Bereich angesiedelt, die meisten in der Science-Fiction oder der Fantasy, ein oder zwei auch im Horror (allerdings einer Form von Horror, mit der selbst ich keine Probleme habe). Über die Wortwahl des Schreibstils bin ich recht genau zweimal gestolpert, was mir bei den meisten Büchern deutlich häufiger passiert. Ich möchte noch einmal die Kreativität betonen, denn sie ist es - neben der Tatsache, dass "Erstkontakt" recht profesionell wirkt -, die mich für die restlichen acht Kurzgeschichten interessiert hat. Wenn ich "Fantasy" sage, meine ich nicht Elfen, Zwerge, Trolle und Werwölfe, ich meine Kreaturen, die es außerhalb deses Buches meines Wissens nach nicht gibt. Die Aliens in der Science-Fiction sind nicht einfach nur Menschen mit lustigen Antennen oben dran, sondern andere Lebensformen mit anderer Technik und anderen Weltansichten.
Wie es mit Anthologien nun mal ist, haben mir einige der Kurzgeschichten deutlich besser gefallen als andere, und die Durchschnittswertung entspricht ziemlich genau 3 Sterne. Wer also Lust auf kurze, kreative Geschichten hat, kann sich "Erstkontakt" mal näher anschauen.