Ulrike Schweikert hat in diesem Doppelband zwei historische Romane aus dem schwäbischen Mittelalter abgeliefert.
In Die Tochter des Salzsieders steht die Tochter einer wohlhabenden bürgerlichen Salzsiederfamilie aus Schwäbisch Hall im ausgehenden Mittelalter im Mittelpunkt. Politisch-historisch geht es um den Machtverlust des Adels zur damaligen Zeit zugunsten der wohlhabenden Bürger.
Die Herrin der Burg spielt im 13. Jahrhundert ebenfalls im Schwabenland. Hier ist der zentrale Charakter die Tochter des eher unbedeutenden, finanziell nicht gesegneten Ritters Hildebolt von Wehrstein. Aus politischen Gründen muss seine Tochter Tilia auf die Burg des Zollerngrafen, des Lehnsherrn ihres Vaters umziehen, um der Tochter des Grafen als Dame zu dienen. Politisch geht es um das ständige Gerangel zwischen Rittern, Grafen und den jeweiligen Königen.
Die Autorin scheint solide recherchiert zu haben und baut dann um eine historisch belegte Struktur mit teilweise historisch belegten Personen eine spannende Geschichte auf.
Die Tochter des Salzsieders war ihr Debütroman, was man auch an dem manchmal etwas ruckeligen Aufbau der Geschichte merkt. Außerdem packt sie die ganze Action in das letzte Drittel, so das der bis dahin leicht gelangweilte Leser auf einmal ganz außer Atem kommt. In diesem Roman wird ausgiebig vergiftet, gefoltert, hingerichtet und allerlei Hexenwerk verrichtet.
In die Herrin der Burg ist die Autorin schon versierter und die Erzählung kommt schneller und geschmeidiger in Fluss. Hier lernt der geneigte Leser so allerlei über Ritter und muss sich enttäuscht von der Vorstellung des edlen Recken verabschieden. In diesem Buch wird gekämpft und geblutet, vergiftet und gestorben, vergewaltigt und verstümmelt und Intrigen gesponnen, dass es eine wahre Freude ist. Auch die damals verpönte Homosexualität und der heute noch verpönte Inzest werden nicht ausgelassen.
In beiden Romanen haben mir die sehr lebendigen Beschreibungen der Lebensumstände gut gefallen. Ich konnte die schwärenden Wunden und überquellenden Nachttöpfe richtiggehend riechen.
Wertungstechnisch möchte ich der Tochter des Salzsieders 3 Sterne und der Herrin der Burg 4 Sterne zuteil werden lassen. Insgesamt runde ich gerne auf 4 Sterne für den Doppelband auf.
Am Ende dieser fast 1000 Seiten bin ich nun wirklich froh und dankbar, dass ich nicht im Mittelalter leben musste.