In seinem Stück ›Kanalratten‹ wirft Maxim Biller einen scharfen Blick auf die Kulturschickeria, deren Mitglieder sich um einen einflussreichen Journalisten versammeln. Und in ›Menschen in falschen Zusammenhängen‹ nutzt Micky, ein jüdischer Intellektueller, einen Talkshowauftritt, um seine Geliebte zu einer Entscheidung zu für ihn oder für ihren Mann. Zwei Theatertexte, die Biller als bissigen Beobachter zeigen – der Gesellschaft wie der Zweierbeziehung. »Es geht um die Liebe als ganz großes Abenteuer. Sie ist wie eine Antarktis-Expedition, bei der man nicht weiß, ob man ankommt. Und viele sind schon auf dem Weg dahin zu ängstlich.« Maxim Biller über ›Menschen in falschen Zusammenhängen‹
Das 2013 erschiene Buch "Kanalratten“ von Maxim Biller, enthält zwei Theaterstücke. Das erste Stück mit dem gleichnamigen Titel des Buches "Kanalratten" und "Menschen in falschen Zusammenhängen". Bereits 2008 wurden die Stücke in den Katalog des Verbands Deutscher Bühnen- und Medienverlage aufgenommen. Seitdem hat kein RegisseurIn Interesse daran gezeigt, die Stücke aufzuführen.
Das erste Stück erzählt vom Journalisten-Milieu: Der jüdisch-deutsche Autor Josef hat lange in Israel gelebt und kehrt nach Deutschland zurück. Dort trifft er bei einem Abendessen den einflussreichen Feuilletonchef Henning Hofman und seine Frau Anna. Henning Hofman spielt gerne seine Macht als Zeitungs- und Meinungsmacher aus. Die einzige Person, die Hofmann wirklich liebt, ist Anna, doch Anna liebt immer noch Josef. Bevor dieser nach Israel ging, waren die Beiden ein Paar und erwarteten ein Kind, dass sie aber wegen des Verdachts auf eine schwere Erbkrankheit, abtreiben ließen. Am Ende des Abends spitzt sich die Situation zu und keiner kann mehr sicher sein, was er denken oder wie er handeln soll.
Das zweite Stück handelt von dem jüdischen intellektuellen Micky, der durch einen Fernsehauftritt versucht seine verheiratete Geliebte Dina, zu einer Entscheidung zu zwingen: Für oder gegen Ihn. Zwei Tage irgendwo in Berlin. Eigentlich will Micky nur die Gedichte und Briefe wiederhaben, die er Dina geschrieben hat. Und will dann gehen. Doch es kommt anders. Zwischen Sex, versuchtem Gelächter, Hunger, Streit und dem Austausch der Angst entwickelt sich eine Komödie.
Stilistisch betrachtet, sind die beiden Stücke herausragend, Biller beweist ein weiteres Mal, das er ein grandioser Stilist ist, doch leider hapert es an der Geschichte. Beide Stücke wirken absurd und gewollt provokativ, dass man sich schnell langweilt. Natürlich geht es in Billers Stücken, wie nicht selten in seinen Büchern, auch um die Frage, wie ein Jude heute im Land des Holocaustes leben kann. Das kann Biller durchaus gut darstellen. Jedoch habe ich mich beim Lesen gefragt, ob es diese beiden Stücke wirklich braucht, was für einen nutzen ich aus ihnen ziehen kann und ich kam zu dem Ergebnis: Nein und keinen!
Ich bin der Meinung, dass die Romane oder besser noch die kurzen Erzählungen Maxim Biller mehr liegen, als das Theater.