Was für ein schöner und zauberhafter Märchenroman, im dem Adjektive noch ungescholten vom Geschmacksurteil der Gegenwartsliteraturkritik wild und unerschöpflich wuchern dürfen!
In diesem Buch steht die namensgebende Gritta von Rattenzuhausbeiuns im Mittelpunkt. Dem Namen und Wohnsitz nach ist sie Hochgräfin, allerdings ist ihre Familie so verarmt, dass sie und ihr Vater sich nur den einen Diener, Müffert, leisten können. Der Vater versucht mit waghalsigen Erfindungen Geld einzutreiben, allerdings ist das nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Eines Tages kommt eine junge Gräfin (Nesselkrautia) in die Gegend und verliebt sich in den gräflichen Witwer. Entgegen dem Willen ihrer Vormunde beschließt sie, den armen Grafen zu heiraten und bringt viel Geld in die Ehe mit. Den Ratten gegenüber, die schon immer in der Burg wohnen, und die dem Adelsgeschlecht Rattenzuhausbeiuns den Namen gaben, ist sie nicht freundlich gegenüber gesinnt (fatal!). Die Gräfin ordnet an, dass Gritta ins Kloster gehen soll, um Manieren zu lernen. Im Kloster ist es allerdings furchtbar, die Nonnen sind griesgrämig bis despotisch und erwarten von ihren Mitgenossinnen, dass sie allen irdischen Freuden abschwören - noch nicht mal an der Schönheit der Natur dürfe man sich erfreuen. Wahre Gottesliebe, so die Doktrin, zeige sich durch Entsagung und Selbstgeißelung. Für Gritta und die anderen Mädchen im Kloster bedeutet das, wochenlang nur drinnen eingesperrt zu sein und den alten Nonnen stundenlang öde Texte vorzulesen. Eines Nachts bekommt Gritta von einer Verschwörung mit, die die älteste Nonne und der Mönch Pectavi ausgeheckt haben, um Grittas Familienerbe zu Klosterbesitz zu machen. Gritta schmiedet schließlich einen Plan zur Flucht und nimmt die anderen Mädchen mit. Sie schlagen sich tagelang auf eigene Faust durch die Wälder, gabeln auf dem Weg noch einen Hund und ein anderes Mädchen auf und landen schließlich unbeabsichtigt auf einem Schiff. Dort lauschen sie Seemannsgarn und haben eine gute Zeit. Bis ein Sturm kommt, das Schiff kentert und sie an einen unbekannten Strand angespült werden (alle Mädchen und der Hund haben überlebt!). Am neuen Ort beziehen sie eine Höhle, bauen einen Ofen, halten Ziegen, ziehen Gemüse und leben ein lustiges und autarkes Leben. Sie freunden sich mit Prinz Bonus an, der sie zufällig entdeckt hat. Es stellt sich heraus, dass sein Gouverneur Pectavus jener hinterlistige Mönch Pectavi ist. Pectavus führt auch hier Böses im Schilde und will den König stürzen und seinen Platz einnehmen. Mit Hilfe der Elfen gelingt es Gritta jedoch, seinen Plan zu entlarven und den König zu warnen. Durch eine glückliche Fügung sind Grittas Vater und die Gräfin (zusammen mit deren Sohn) auch in der Gegend. Völlig verarmt wie sie waren (durch den Komplott von Pectavi und der Nonne) und von den Ratten aus dem Schloss getrieben, verdingen sie sich als ziehende Händler. Die Familie wird glücklich wieder vereint. Gritta heiratet Prinz Bonus. Die Ratten, die die Familie vormals vertrieben hatten, entschuldigen sich und bringen ihnen das Geld, das die Familie Rattenzuhausbeiuns durch den Komplott verloren hatte. Die Mädchen gründen ein Kloster und leben glücklich.
TLDR: Und Gritta geht unbeirrt ihren Weg, no matter what. Zum Glück bekommt sie auch in schwierigen Zeiten Hilfe von ihren Freundinnen, Ratten und Elfen.
Ich mochte an dem Buch, dass es so starke Frauenfiguren hat, die alle eine eigenen Antrieb haben. In der Hinsicht ist es ein sehr modernes Buch, auch wenn es nun fast schon 200 Jahre alt ist.