Der Autor lebt und arbeitet seit mehr als einem Jahrzehnt als freier Korrespondent, aber auch als Berater für die UNO, in Südosteuropa. Die in diesen Jahren gesammelte intime Kenntnis der wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge in der Balkan-Region nutzt Mappes-Niediek, um mit dem vorliegenden Buch in großer Eindringlichkeit die Gefahr darzustellen, die von den Vorgängen in der Region für ganz Europa ausgeht. Mit streckenweise fast chirurgischer Genauigkeit legt der Autor die engen Verstrickungen zwischen Politik und organisierter Kriminalität offen. In penibler, manchmal detailverliebter Weise werden nicht nur Macht- und Geldgier einflussreicher Unterweltgrößen nachgezeichnet, vielmehr ist es das Verdienst des Autors, auch für uns Westeuropäer unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Alte Vorurteile und Sympathien in Westeuropa haben am derzeitigen Zustand der Balkanstaaten ebenso Mitschuld wie ein teilweise erschreckendes Maß an Blauäugigkeit, die sich bei politischen Entscheidern wie bei NRO findet. Mappes-Niediek zeichnet nach einer allgemeinen Einleitung anhand von Fallbeispielen nach, wie sich die Politik zunächst der Kriminellen und ihrer Kontakte bediente, um dann mehr und mehr in deren Praktiken selbst zu versinken. Die Einbindung und die Reaktionen des Westens folgen in weiteren Abschnitten, gefolgt von facettenreich dargelegten Schlussfolgerungen, was getan werden müsste. Das inhaltsreiche Buch wird durch eine Zeittafel und ein Personenregister ergänzt, dass auch dem sachkundigen Leser die Orientierung erleichtert. Es muss dem Autor hoch angerechnet werden, dass ihm der Drahtseilakt zwischen Genauigkeit und Lesbarkeit gelingt, er das Ebenmaß notwendiger Spannung findet, ohne in einen reißerischen Ton zu verfallen. Angesichts der Dramatik der Ereignisse, durch die Mappes-Niediek uns führt, eine nicht geringe Gefahr.