Das Cover und der Klappentext haben mich sehr neugierig auf Sophie Fawns 2. Fantasyroman gemacht. Mich erinnert das Cover ein bisschen an „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren. Die Geschichte wird aus Sicht von Lexia, der Protagonistin erzählt und liest sich flüssig und spannend. Auch Lexia ist ein Mädchen, dass ihren eigenen Weg gehen will und die traditionelle Lebensweise ihrer Welt hinterfragt.
Der Fantasyroman „Ranjana“ spielt in einer Welt, in der es ein Klassensystem gibt. An oberster Stelle steht der Rat, gefolgt von den Kämpfern, den Scintos. Nur Männer aus Ratsfamilien entwickeln Stärken (wie zum Beispiel besondere Schnelligkeit, Treffsicherheit, Kraft oder ein übermenschliches Gehör) und können zum Scinto ausgebildet werden. Die anderen Männer sind Arbeiter. Frauen haben in dieser Gesellschaft kein Mitspracherecht, nur die Rolle der Criada (der Dienerin), die dem Scinto „gehört“ und „dankbar und gewissenhaft“ den Haushalt führt und dessen Kinder bekommt oder die Rolle der Arbeiterin, wenn sie nicht fleißig oder gut genug sind, um die angesehene Ausbildung einer Criada zu erhalten.
Die Feinde der Gemeinschaft sind die Wolfsmenschen, die wie Tiere im Wald hausen und von den Scintos gejagt werden, weil sie die Dörfer überfallen. Dass dieses Schwarz-Weiß-Denken falsch ist, lernt Lexia im Laufe des Romans. Sie hat Visionen, die ihr Angst machen, aber auch helfen, ihren Weg zu gehen. Sie will nicht die Dienerin eines Scintos werden, sondern ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Und dieses Streben nach Selbstbestimmung führt sie in gefährliche Situationen, die sie mit der Hilfe eines besonderen Scintos und ihren Freunden meistern muss. Sie muss ihre Stärke akzeptieren, um Veränderungen in ihrer Welt zu erreichen.
Die Hauptfiguren Lexia, Elian und ihr Bruder Milko waren mir sehr sympathisch, wobei Milko, wegen dem die ganze Aktion mit den Wolfsmenschen erst ins Rollen kommt, ein bisschen blass wirkt im Vergleich zu Elian. Genial fand ich, dass zum Ende die erste Szene wieder aufgegriffen wird und man endlich weiß, was diese Vision Lexias bedeutet und wie sich die Zukunft durch unterschiedliche Handlungen verändern kann und nicht in Stein gemeißelt ist. Ich fand den Gedanken sehr schön, dass man durch Mut, neue Ideen und Vertrauen in sich und zu seinen Freunden das Schicksal ändern kann.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.