Die Nation Als Zauberwort Der Moderne: Nationales Denken Im Liberalismus, Konservatismus Und Bei Den Volkischen Im 19 Jahrhundert (Spektrum Philosophie)
"Was ist deutsch?" Diese Frage wurde schon im 19. Jahrhundert mannigfach beantwortet. In den Antworten darauf spiegelten sich verschiedene politische Richtungen wider. Dies fuhrte zur Auspragung von unterschiedlichen Formen des nationalen Denkens, die sich in den programmatischen Verlautbarungen von Parteien finden lassen. Anhand einer Typologie des nationalen Denkens konnen die Differenzen zwischen den einzelnen Typen aufgezeigt und analysiert werden. Dabei steht die Problematik im Mittelpunkt, wie von den einzelnen Typen die Funktionen der "Nation" erfullt werden konnen, um ein politisches System zu stabilisieren. Im Untersuchungszeitraum sind es die Entwicklungstendenzen der Moderne, die die Gesellschaft herausforderten. Liberalismus, Konservatismus und das volkische Denken haben aufgrund ihrer ideengeschichtlichen Wurzeln darauf sehr unterschiedliche Antworten formuliert. Als Ergebnis der Studie zeigt sich, dass nur die liberalen Parteien ein Konzept entwickeln konnten, dass eine Brucke zwischen den beharrenden Kraften der Nation und der Dynamik moderner Veranderungen schlagen konnte. Dem konservativen Denken blieb das moderne Verstandnis von Nation fremd. In der volkischen Bewegung wurden zwar Errungenschaften der Moderne vereinnahmt, aber nur um damit eine antimoderne Gesellschaft zu formen. Im Zeitalter der Globalisierung und einem prognostizierten Bedeutungsverlust des Nationalstaates scheinen diese Fragestellungen an Bedeutung verloren zu haben, allerdings ist bisher keine Vorstellung von einer politischen Gemeinschaft in Sicht, die die Funktionen der "Nation" ersetzen kann.