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Phänomenologie und Textinterpretation: Studien zur Theoriegeschichte und Methodik der Literaturwissenschaft (Historia Hermeneutica. Series Studia, 17)

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Die Phänomenologie hat in der Literaturwissenschaft vielfältige Spuren hinterlassen. Ihre Bedeutung für die literaturwissenschaftliche Theoriebildung ist aber bislang unterbelichtet geblieben. Mit besonderem Augenmerk auf die Interpretationstheorie werden in dieser Arbeit zentrale Stationen der literaturwissenschaftlichen Rezeption der Phänomenologie rekonstruiert. Dies geschieht zum einen durch eine wissenschaftshistorische Kontextualisierung von prominenten Versuchen, die Phänomenologie für die Literaturwissenschaft fruchtbar zu machen. Ausgehend von Edmund Husserl wird für Roman Ingarden, Nicolai Hartmann, Emilio Betti, Emil Staiger, Wolfgang Iser, René Wellek und Eric Donald Hirsch gezeigt, wie Theoreme und Begriffe, aber auch theoriegeleitete Metaphern aus der Philosophie in die Literaturwissenschaft eingewandert sind und hier ihre ganz eigene Wirkung entfalten konnten. Zum anderen werden in systematischer Hinsicht Problemlösungsstrategien und Begründungsmodi in der literaturwissenschaftlichen Theoriebildung analysiert und vergleichend auf ihr theoretisches und methodisches Potential hin befragt. So leistet diese Arbeit einerseits einen Beitrag zur Aufarbeitung der Fachgeschichte, andererseits einen analytischen Beitrag zur aktuellen philologischen Hermeneutik.

326 pages, Hardcover

Published September 10, 2018

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Profile Image for Michael.
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July 5, 2026
Ein guter Überblick, welche Auswirkungen die Phänomenologie auf den literaturwissenschaftlichen Betrieb im 20. Jahrhundert (und darüber hinaus) hatte. Die zwei längsten Kapitel beschäftigen sich jeweils mit Roman Ingarden und Eric Donald Hirsch, andere Theoretiker sind z.B. Wolfgang Iser und René Wellek. Aus kognitionspsychologischer Sicht tritt die zentrale Frage: Was können wir wissen? unvermeidlich in den Vordergrund. Das ständige Ringen, ob und in welchem Umfang die "Autorintention" erkennbar und erfahrbar ist, scheint nach wie vor ein vielfach variiertes Thema zu sein. Das wirkt überraschend, da interdisziplinär klar ist (wie Sneis auch zusammenfassend schlussfolgert), dass Bedeutungen immer vom Wahrnehmenden (hier: Leser) konstruiert werden. Eine literaturwissenschaftliche Methode, die das ignoriert, wirkt schnell hilflos und prätentiös. Das wird insbesondere in dem langen Kapitel über E.D. Hirsch deutlich. Er hat seine theoretischen Arbeiten erst in Abgrenzung zu etwa Gadamer formuliert, um sich dann zunehmend doch auf ein dogmatisches Konstrukt einzulassen. Auch Sneis selbst scheint an vielen Stellen zu bedauern, dass "normativen" oder "hierarchischen" Argumenten zum Erhalt der "wissenschaftlichen" Interpretation von Literatur schwer beizukommen ist. Einerseits vermerkt Sneis sehr zutreffend, dass die Vorannahmen einer Literaturtheorie in Bezug auf Werk, Autor, Bedeutung etc. klar formuliert sein müssen. Ich würde zuspitzen: Die erkenntnistheoretischen Annahmen oder Grundlagen der eigenen Arbeitsweise sollten immer zunächst klar ausgesprochen werden, da in der Mehrdeutigkeit der Begriffe großes Potenzial für (oft fruchtlose) Diskussionen steckt. Andererseits wirkt Sneis manchmal geradezu enttäuscht, wenn er wieder und wieder die "Gefahr" des Relativismus, der Polyvalenz, der Bedeutungsvariabilität, der unbegrenzbaren Anzahl von "Konkretisationen" heraufbeschwört. Die Einsicht in die genuin relativistische/subjektive, ja: konstruktivistische Natur aller Wahrnehmung - und damit auch der Interpretation - scheint nach wie vor zu irritieren, da sie den literaturwisseschaftlichen Betrieb regelrecht zu bedrohen scheint. "Man kann nicht nicht interpretieren", um einmal Gebhard Rusch zu zitieren. Lesen als "endlos autobiographische Tätigkeit der Wahrnehmung" erlaubt so viele Beschreibungen, wie es Individuen gibt. Diese hierarchisch zu bewerten nach "normativen" Gesichtspunkten, welche sich an der "Autorintention" orientieren, klingt schon fast grotesk. Interpretationen sind nicht falsifizierbar. Interpretationsanalysen haben immer wieder gezeigt, dass Interpretationen nicht "logisch stringent", nicht "intersubjektiv nachvollziehbar", nicht explizit in ihren Voraussetzungen und nicht prüfbar in ihren Belegen sind. Ich hatte das seit Langem für gegeben erachtet, und es scheint mir gerade anhand der hier vorgelegten Ausführungen fraglich, ob diese Prämisse sinnvoll aufgegeben werden kann.
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