[dbp '05-longlist] Ehm...bin shock. Ich bin ehrlich gesagt sprachlos, dass dieses Buch mehrere Preise gewinnen konnte – darunter den Aspekte-Debütpreis und den Literaturpreis der Stadt München. Was hier als literarisch relevant ausgezeichnet wurde, liest sich stellenweise wie eine Parade problematischer Grenzüberschreitungen. Top der Flops: Das N-Wort wird verwendet. Eine Vierzehnjährige fragt einen Sechzehnjährigen: „Zeigst du mir mal dein Männchen?“ Ein alter, weißer Mann hält seine dreiundzwanzigjährige Haushälterin, eine Migrantin, in einer toxischen Abhängigkeit – und schläft schließlich mit ihr. Zwischen den Zeilen wird dabei ein Eindruck erzeugt, der das Geschehen zumindest fragwürdig einvernehmlich erscheinen lässt. Dazu kommen Szenen, die weniger verstören als ratlos machen: Der Sohn nimmt ein Schamhaar der Haushälterin in den Mund. Und schluckt es.
Man fragt sich unweigerlich, was hier eigentlich verhandelt werden soll – außer einer Ansammlung männlicher Obsessionen, die sich als Sozialstudie tarnt. Am Ende bleibt der Eindruck eines Buches, geschrieben von einem Mann mit ausgeprägtem Ödipus-Komplex (und anderen), für Leser:innen mit ähnlich vielen Komplexen. Ein Unterschichtenporno, an dem man sich offenbar literarisch ergötzen darf – zumindest, wenn man in den richtigen Jurys sitzt?!