Thüring von Ringoltingens Melusine, die 1456 in Bern enstanden ist, zählt zu den frühesten und vom Stofflichen her interessantesten Beispielen der damals sich bildenen Gattung des Prosaromans. Die Historie von der schönen Melusine, die sich des Samstags stets in eine Meerfrau zurückzuverwandeln pflegt, gehört in den großen Komplex jener Geschichten, die von der Verbindung eines Menschen mit einem übernatürlichen Wesen erzählen.
Die wohl berühmteste Variante der Melusinensage erzählt die Beziehung Raymunds mit dem heimlichen Schlangenweib Melusine als Begegnung zweier erlösungsbedürftiger Kreaturen, die beide gleichermaßen aufeinander angewiesen sind. Für den modernen Leser vielleicht etwas holprig zu lesen, aber eine zauberhafte, tragische und kulturell bedeutsame Erzählung.
Die Schlangenweibsagen oder auch die Mythen um Meerjungfrauen und Wassergeister sind Abbilder von guter Ehe, guten Frauen und Scheidungen. Es rückt die Ehefrau ins Rampenlicht und macht sie zur Hauptakteurin als Ahnin - oft sogar mehr als die Männer. Sie stehen als Stütze und reiche Gönnerinnen da, die ihren Nachkommen Reichtum, aber auch Unglück bringen. Melusine ist eine starke Frau, die sich selbst verliebt und ihren Ehemann im Wald antrifft und ihn erst maßregelt, bevor sie sich als seine Frau tadellos unterwirft. Die schöne Jungfrau hat jedoch ein bitteres Geheimnis, möchte sie deswegen auch jeden Samstag allein gelassen sein. Sie lässt es sich schwören und warnt ihren Mann, dass sonst Unglück über sie alle hereinbrechen wird. Natürlich bricht der stolze Ehemann seinen Schwur, wird jedoch ein Mal verziehen, weil er nicht den ganzen Wortlaut gebrochen hat. Melusines Andersartigkeit wurmt ihn jedoch und auch, dass ihre Kinder alle ein Fehl aufweisen, obwohl die Söhne mächtige Männer werden, Land erobern, Riesen schlagen und reich heiraten. Die Geschichte erzählt die Entstehung eines Adelsgeschlechts, doch müssen die Ländereien alle wieder verloren und die Familie in die Unbedeutsamkeit zurückgesunken sein. Es gibt keinen so großen Adel, der nicht erwähnt würde. Einzige Möglichkeit wäre, dass die Familie nur einzelne Flecken beherrschen durfte - so wie es auch Melusines Schlössereien, Kirchen und Klöster waren, von denen man heute nichts mehr hört, sieht und findet. Auch brüstet die Geschichte eine Familie einfach nicht. Es ist weibliche Rache. Ein Ehepaar, das getötet hat und töten hat lassen.
Fand den Plot mit der Melusine cool, die sich jeden Samstag in einer Meerjungfrau verwandelt und, dass der Mann sie deshalb jeden Smastag allein lassen muss, aber die Sprach war sehr anstrengend. Und der Perspektivwechsel der ganzen Söhne auch.
von dem Nabel hinauff / ein Menschliches / hübsches / uund Weiblich Bildt / uund von dem Nabel hinab / ein grosser ungehewrer und feindseliger langer Wurm.
ein extra-stern für den female-rage-slay, ansonsten absoluter crap. es interessiert mich nicht im geringsten, wer wen heiratet, wer mit wem zehntausend nachkommen zeugt, wer welche kreuzzüge macht, wer irgendwelche riesen tötet oder wer sonst was für ländereien erobert. diese geschichte zeigt mal wieder nur, dass männer schon immer so privilegiert gewesen sind, dass sie weder darüber nachdenken, ob ihr handeln konsequenzen hat, noch wie sie eine moralische rechtfertigung für den scheiß den sie bauen finden.