Der Ich-Erzähler J. W. Eyring, emeritierter Rektor, hat das ganze Leben in seiner Heimatstadt Bützow an der Warnow verbracht – bis auf die Jugendjahre, als er auf der Rostocker Universität studierte. Der Witwer Eyring erzählt von einem Bützower Danton, dem "kleinen und hagern" Advokaten Dr. Wübbke. Dieser "umstürzlerische Volksverführer" wird von dem "dirigierenden Bützower Bürgermeister Dr. Hane", einem Junggesellen, wegen einer Gänsegeschichte unsanft behandelt. Prompt beschließt darauf der "wohllöbliche Bützower Magistrat" am 5. November 1794, "jene Spezies der Wasservögel, Gans genannt", dürfen nicht mehr "frei nach ihrem tierischen Willen" durch die Stadt watscheln. "Das geflügelte Völkchen" wird "im Stalle inkarzerieret". Frei laufende Gänse werden vom Büttel des Magistrats eingefangen und weggesperrt. Wilhelm Raabe (1831-1910) war ein deutscher Schriftsteller
Mit Klassikerzitaten vollkommen überfrachtete Banalität um einen Schildbürgerstreich. Raabes Version von merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache, in der Schiller, Goethe, Wieland und allerlei nicht mehr ganz so prominente Geistesgrößen, sowie sämtliche Heroen der Antike eine Rolle im ironischen Erzählfaden spielen. Für Altphilologen sicher ein Schmaus, ohne entsprechende Vorlieben ein vollkommen verwürztes Gericht.
Raabe versteckt in seinen Provinzdramen immer wieder merkwürdige Beispiele einer weiblichen Rache, die erst spät als solche identifiziert werden können. Das Horn von Wanza hat mich in dieser Hinsicht mehr überzeugt, weil die Grenzen zwischen Täter und Opfer fließend sind, bzw. zwei von den Zeitläuften und politischen Verhältnissen Geschädigte, einander das Leben im Frieden ruinieren. Die Intrigantin der Gänserevolte, die sich nach gehabter Rache für verschmähte Gefühle in die Arme der Reaktion stürzt, ist nichts als eine hinterhältige Opportunistin.
Spaßige Fingerübung. Welchen Widerschein hat große Revolution der Franzosen im Kaff des Deutschen Michels nebst der Bildungs-Philisterei seiner idealistischen Kommentatoren? Wer Spaß daran hat, Zitate und Anspielungen zu erkennen und einzuordnen, wie sie hier zu welchem Zweck montiert sind, dem wird der Text kurzweilig sein. Einen Vergleich etwa mit Heine hält er freilich nicht aus. Aber ich fand ihn nett und witzig.