Der erste Roman über Heinrich I und seinen Aufstieg zum König der Deutschen - Priska Lo Cascio lässt das Spiel der Königsmacher beginnen.
Frankfurt im Jahr 911: Als Ludwig IV. im Sterben liegt, ruft er die Adeligen und Stammesfürsten des Ostfränkischen Reiches zu sich. Unter den vielen Reisenden zur Königswahl sind auch der sächsische Krieger Liuthar und Sarhild, eine fränkische Adelige, deren Familie beim König in Ungnade gefallen ist. Unversehens werden die beiden zum Spielball der Fürsten. Denn die Großen des Reichs wählen den Franken Konrad zum neuen König und übergehen damit Liuthars Landesherrn Heinrich, künftiger Herzog der Sachsen, der auf Rache sinnt. Zugleich erfährt Sarhild, dass der kranke König keines natürlichen Todes stirbt. In einer Welt, in der jeder jeden hintergeht, bleibt Sarhild und Liuthar nur eines: Den Aufstieg Heinrichs voranzutreiben …
Ein solider historischer Roman mit sehr guten Charakteren und vielen realen Bezügen. Es hat sehr viel Spaß gemacht zu lesen und für Fans von Historischen Romanen im deutschen Raum auf jeden Fall empfehlenswert.
In diesem Roman folgt die Leserin den Großen und Mächtigen des 10. Jahrhunderts. Zwar erzählt die Autorin die Geschichte vor allem aus der Sicht der fiktiven Personen Sarhild und Liuthar, aber da beide wichtige Positionen rund um die herrschenden Personen besetzen, wird der Schwerpunkt auf die Könige, Herzöge und Bischöfe gelegt. Zudem wechseln die Perspektiven oft und auch die Sichtweisen des Königs oder des Bischofs treten in Erscheinung. Das "einfache" mittelalterliche Leben findet hier also kaum Beachtung.
Jede erfahrene Leserin von historischen Roman wird sofort bei der Personeneinführung wissen, auf welche Liebesgeschichte dieses Buch abzielt. Ich persönlich habe mich an solch vorhersehbare Handlungsstränge gewöhnt und ärgere mich nicht darüber. Wer aber auf Überraschungen bauen möchte, wird sie hier nicht bekommen. Dennoch mochte ich die Liebesgeschichte, die zwar nicht viel Neues aufweist, aber schön und gefühlvoll beschrieben wird. Außerdem bietet das Buch dennoch mehr als nur diese Liebesgeschichte. Ränkespiele und Intrigen, ohne Rücksicht auf Verluste von anderen, hauptsache auf den eigenen Vorteil bedacht, finden sich hier. Ich persönlich hatte wenig Wissen über das 10. Jahrhundert, aber die Charakterisierung der Personen und die Perspektivenauswahl machten für mich von vornherein klar, wie sich "gut" und "böse" aufteilen. Dennoch wird der Lauf der Geschichte berücksichtigt und die Personen vermischen, gehen Bündnisse ein, die ich vorher nicht unbedingt vorhergesehen hätte. Es durchweg interessant und spannend zu verfolgen und ich habe immer wieder gerne zu dem Buch gegriffen, auch wenn einige Sachen vorhersehbar waren.
Der Stil ist außerdem geprägt von altdeutschen Wörtern, die sich vor allem in den Städtenamen widerspiegeln, aber dennoch flüssig zu lesen. Am Ende gibt es ein ausführliches Glossar, dass die Städte nochmal genau den heutigen Bezeichnungen zu ordnet, wobei die meisten Erschließungen sich aus der Ähnlichkeit auch beim Lesen ergibt. Von der Aufmachung und dem Thema her hätte ich nicht damit gerechnet, dass wir "so nah" am Geschehen und den Personen dabei sein werden. Ich hatte mit einem distanzierten Schreibstil gerechnet. Doch hat die Autorin darauf verzichtet und lieber historisch nicht überlieferte Gefühle beschrieben, die ich als passend empfunden habe. Dadurch konnte auch ein größerer Lesesog entstehen als es bei einer distanzierteren Sprache möglich gewesen wäre.
Zum Schluss gibt es noch ein ausführliches Nachwort, in dem sie über die historischen Fakten aufklärt und ein Literaturverzeichnis für jeden, der sich wissenschaftlich tiefer mit der Materie beschäftigen möchte. Neben dem bereits erwähnten Glossar der Ortsnamen, gibt es auch ein Personenregister, das sicherlich dem ein oder anderen bei der Sortierung der Namen während des Lesens helfen wird.
Alles in allem ein schöner historischer Roman aus dem 10. Jahrhundert, der sich auf die Machtinhaber konzentriert, und gute Unterhaltung bietet.
Ich habe mich sehr über das Rezensionsexemplar und meine allererste Leserunde gefreut. Einfach das Buch in den Händen zu halten (wunderschön gestaltetes Cover), hat in mir die Lust zum Lesen ausgelöst. Als quasi Neuling für diesen Zeitabschnitt der Geschichte habe ich mich dank Anhang und Glossar recht einfach in die Zeit und die Personen hineingefunden. Die Geschichte rund um die Kämpfe zwischen den Franken, Sachsen, Baiern und Alemannen hat mich richtig fasziniert und fand die wechselnden Bündnisse, Intrigen und politischen Schachzüge äußerst lesenswert. Als Einstiegsbuch für diese Zeit war das genau das richtige für mich.
Nach einem starken Auftakt konnte mich die Handlung und Charakterisierung von unseren Protagonisten Sarhild und Liuthar überzeugen. Allerdings, und ich weiß nicht ob das gewollt ist, sind die beiden in der zweiten Hälfte des Buches eher in den Hintergrund gerückt, da die Gefechte der Adligen mehr Platz einnahmen. Ich hätte gedacht Sarhilds Geheimnis würde eine größere Rolle spielen, kam dann aber erst zum Schluss wieder in den Vordergrund. Ein bisschen gestört haben mich auch, dass unseren Protagonisten manchmal die Initiative gefehlt hat, z. Bsp. passieren ihnen Dinge und sie reagieren darauf, anstatt aktiv in die Handlung einzugreifen. Aber das hat sich zum Glück nicht zu oft wiederholt und bis zum Schluss hat mich die Autorin wieder voll und ganz, auch dank einiger überraschenden Wendungen, mitgenommen! Liuthar, der mir anfangs viel zu mürrisch war, konnte ich dann doch noch ins Herz schließen. Nicht zu reden von den tollen und mutigen Frauenfiguren: Sarhild, Kunigunde und Gunda! Werde sie alle vermissen.
Wer hier einen spannenden und klug geschriebenen Mittelalterroman erwartet, kann hier nicht fehlgreifen! Werde dieses Buch sicher noch öfters wieder zur Hand nehmen, denn ich habe einige schöne Stunden damit verbracht!