Das Buch ist eine gut verständliche Einführung in das Werk von Karl Marx, mitsamt seiner Nachwirkungen bis heute. Sein Werk wird dabei nicht als ein vergangenes behandelt, sondern als ein theoretischer wie politischer Ansatz, der noch immer – oder heute erst recht – auf provokative Weise Alternativen zum entfesselten Kapitalismus aufzeigen kann. Als „Folgen“ von Marx werden daher zum einen unmittelbare politische und akademische Wirkungsgeschichten nachgezeichnet. Zum anderen wird jedoch gezeigt, auf welche Weise sein Denken noch heute Perspektiven öffnen kann – auch im wörtlichen Sinne, etwa im kulturellen Schaffen vieler Künstler/innen und Filmemacher/innen im 20. und 21. Jahrhundert, oder in der Art und Weise, wie Marx heute von neuen Ansätzen in der Ökologie, dem Feminismus oder dem Postkolonialismus neu aufgegriffen wird.
Der Titel allein ist schon eine philosophische Meisterleistung der trockenen Untertreibung: „Marx und die Folgen“. Das klingt, als hätte Karl nur ein bisschen über die Stränge geschlagen und nun müsse man die Konsequenzen tragen („Marx und der Kater danach“). Dabei sind die „Folgen“ ja bekanntlich nicht weniger als der halbe blutige Weltuntergang, diverse Revolutionen, der Kalte Krieg und ein ganzer Kontinent an Missverständnissen. Christoph Hennings Buch ist nun die ultimative akademische „Folge“ dieser Folgen: eine gelehrte, unbarmherzig detaillierte Sektion all dessen, was Marx angerichtet hat – intellektuell, politisch und (am wichtigsten) in den Regalen der Seminarbibliotheken. Es ist das perfekte Buch für alle, die nach dem Lesen von Marx zu der fatalen Überzeugung gelangt sind, dass das Problem nicht der Kapitalismus ist, sondern dass es einfach noch nicht genug Bücher über das Problem gibt – und Christoph Henning liefert dankenswerterweise die nächste, dringend benötigte „Folge“.