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The Owl

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Book by Hawkes, J.

63 pages, Paperback

Published January 1, 1977

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About the author

John Hawkes

111 books193 followers
John Hawkes, born John Clendennin Talbot Burne Hawkes, Jr., was a postmodern American novelist, known for the intensity of his work, which suspended the traditional constraints of the narrative.

Born in Stamford, Connecticut, and educated at Harvard University, Hawkes taught at Brown University for thirty years. Although he published his first novel, The Cannibal, in 1949, it was The Lime Twig (1961) that first won him acclaim. Later, however, his second novel, The Beetle Leg, an intensely surrealistic western set in a Montana landscape that T. S. Eliot might have conjured, came to be viewed by many critics as one of the landmark novels of 20th Century American literature.

Hawkes died in Providence, Rhode Island.

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Markus.
289 reviews97 followers
September 10, 2018
Wer sich in Italien abseits der Küsten im Bergland des umbrischen oder kalabrischen Apennins herumgetrieben hat, wird vielleicht die heute fast vollständig verlassenen Geisterdörfer kennen, die an steile Hänge geklebten Häuser aus grob gehauenem Stein, die engen holprig gepflasterten Gassen, eine heruntergekommene Kirche mit einer strahlend blaugoldenen Madonna darin und vielleicht oben auf den Felsen eine verfallene Burg. Mit etwas Glück sieht man in unendlicher Ferne einen blassblauen Streifen, das Meer.


[Craco, Basilikata, Süditalien]

Sasso Fetore, Deutsch etwa “Stinkenstein”, ist genau so ein schaurig-schöner Ort. Die jungen Männer scheinen alle im Krieg zu sein und so hausen ausschließlich Alte und Frauen in den modrigen Gemäuern. Ein Überhang an heiratsfähigen Mädchen ist die natürliche Folge. Wie es im ruralen Italien üblich war, wird die Aussteuer der Jungfrauen in hölzernen Kisten angespart, diese beginnen aber mangels geeigneter Männer schon zu faulen.

Über die Gemeinde obwaltet Il Gufo, der Uhu, gnadenloser Besitzer, Herrscher und Henker in einer Person, in der Festung oberhalb der Stadt, gemeinsam mit seinem zurückgebliebenen Mündel Pucento und einem echten Uhu. Er und der Gefangene sind die einzigen zeugungsfähigen Männer und die Väter würden liebend gerne einem von ihnen ihre Tochter zur Frau anbieten. Doch des Henkers Geliebte ist der Galgen, die Herrin genannt und der Gefangene gehört allein ihr.

Vier stattliche Ganter ziehen im Gänsemarsch durch Gassen und Land, trampeln mit strammem, vom Hunger getriebenen Schritt über Sand, Asche und die Lichtnelken hinweg und wenn Il Gufo abends den Weg zu den Schluchten rund um die Stadt einschlug, saßen in einigen von ihnen die Fusssoldaten, die nie mehr kämpfen würden, deren verbrannte Leiber im Sand kauerten. Auch sie waren Leibeigene des Herrschers von Sasso Fetore, ein schweigsames Parlament, mit dem er bei Einbruch der Dunkelheit zusammentraf.

Ich stieg über die Asche und hörte wie mein Fuss auf ein Militärmesser oder einen Holzschuh trat; und die verrenkten, die eingefallenen Knie, zufällige Überbleibsel, die ich aus Ruß und Asche eines römischen Feuers ausgrub, das alles war symmetrisch angeordnet, alles hatte seinen Platz, auch die schiefen Masten dazwischen, auf denen sich langsam Räder drehten - Zeichen waren sie, keine Denkmäler.

Il Gufo ist eine der merkwürdigsten Geschichten, die mir bis heute untergekommen sind. Obwohl nur 90 Seiten, treiben sie mich seit über einem Monat um. Immer wieder schlage ich das Buch auf und versuche seine eigenartige Wirkung zu ergründen.

Nach dem ersten Dutzend Seiten - der erste Teil malt ganz ohne Handlung ein Bild der Örtlichkeit und seiner Bewohner - begann ich gleich nochmals von vorne, zu unklar war mir, wer da eigentlich zu wem spricht. Tatsächlich ist es ein Monolog des Herrschers selbst, der fallweise zum wir der Gemeinde wird oder zwischendurch unmerkbar in eine auktoriale Erzählweise blendet.

Hawkes zeichnet textuelle Bilder, seine Sprache ist vorwiegend imaginativ. Zusätzlich provoziert er Bilder, die dem Zuschauer aus anderen Zusammenhängen bekannt sind, literarische, mythische oder biblische Bilder. Die Leserin oder der Leser kann nicht anders, als seine eigenen Bilder heraufzubeschwören und damit den Gesamteindruck zu überlagern.

Die Hawkes’sche Bilderwelt ist kraftvoll metaphorisch, dabei gleichzeitig dunkel und komisch. Eine starke Mischung. Irgendwann musste ich an Jabberwocky denken, den genialen Monty Python Film aus den späten 70ern. Ebenso gut könnte man es als postmoderne Dekonstruktion von Shelley, Poe oder Lovecraft interpretieren.

John Hawkes war zum Ende des 2.WK. als Sanitätsfahrer der US-Truppen in Italien stationiert und hat offensichtlich den italienischen Faschismus, die Landschaft und die dazugehörige Mentalität tief inhaliert. Alle drei Komponenten kommen in der Novelle kunstvoll verzahnt zurück. Es ist keine Analyse des Faschismus, eher eine subjektive, sehr tiefsinnige und kunstvolle Verarbeitung seiner Eindrücke als surreal-irrwitzige Collage.

Il Gufo und seine Gemeinde bilden ein geschlossenes System, nichts kann hinaus, nichts kann herein. Ordnung um der Ordnung willen schützt vor der Unberechenbarkeit des Lebens. Jede Veränderung, Durchmischung oder Erneuerung wäre absurd. Das Segelschiff weit weg am Horizont, wo man das Meer erahnt, kann nur Einbildung sein. Unterdrücker und Unterdrückte leben in einer perfekten Symbiose, ein Zweifel am jeweils anderen kann nicht einmal gedacht werden. Mythos, Tradition und Recht sind der Kitt, der alles zusammenhält.

Die Verquickung des italienischen Faschismus mit der typisch italienisch-patriarchalischen Tradition und dem katholischen und griechischen Mythos kommt in den überlagerten Bildthemen genial zum Ausdruck: Das Kapitel die Synode und das Urteil erinnert mit den zwölf Räten fatal an das Abendmahl, die Flucht des Gefangenen an die Ikarus Legende, nur hat alles den Anstrich der Farce. Reitet der Tod normalerweise auf einem stolzen Rappen, bleibt für den Henker nur ein Esel und die Spitzen seiner Ohren waren durchstochen und mit rostigen Glöckchen versehen. Damit konnte nicht einmal der Esel des Jesus von Nazareth bei seinem Einzug in Jerusalem aufwarten.

So viele Worte für 90 Seiten? Ja, dieses Buch ist ein Geniestreich, verrückt, schaurig, komisch, brisant, skurril, surreal, radikal, ungewöhnlich, vielschichtig und skandalös unbekannt!
Profile Image for Eric.
345 reviews
September 3, 2016
One must have resonance, resonance and sonority . . . like a goose.
Profile Image for Wherefore Art Thou.
267 reviews13 followers
February 16, 2026
Genuinely could not figure out what was going on, nor what Hawkes was trying to say here. I felt like I was looking through an Italian village through a keyhole, barely understanding what was going on around me. Definitely a parable for something, and fact that the Hangman was both human and owl was interesting. Beyond that… ???

As far as I can tell it is commentary on duty, veneration of innocence (maybe) and the roles we are bound to in a society, though I will say that seems like a fairly shallow reading of this neigh-incomprehensible work. There’s definitely some sort of parallels between the prisoner and The Owl, as the prisoner attempts to escape with feathered wings, and there’s the man who dances with his dog which, to me, mixes the master/servant dynamic… I’m sure someone smarter than me can figure this out and how everything connects but, c’mon, I need more hints. I don’t care enough.

The vibes were awesome though.
Profile Image for John Cates.
164 reviews3 followers
February 11, 2019
Short but took a LONG time to read - guess I need to read smarter. Having read Occurrence at owl creek bridge I'm wondering what is it about owls and hanging? coincidence?? - will have to ck back to see if any owls are in "the ox bow incident"

Profile Image for Evan Pincus.
190 reviews26 followers
April 15, 2023
Intense as always from Hawkes, though I found it a bit heavy on the performative Italian-isms in a way that didn't pay off in the way The Lime Twig's faux-Brit-ness did.
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