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Totentanz im Altersheim: Morbider als Nikowitz schreibt keiner
„Wer bringt denn bitte Leute um, die sowieso bald von selber sterben?“

Der Suchanek hat schon immer ein Drogenproblem gehabt. Meint zumindest der Richter und brummt ihm Sozialstunden im Altersheim auf. Einen ganzen Monat. Nun wirkt die Lebensphase von Nachmittagsbingo, Schnabeltasse und Erwachsenenwindel im grauen Wiener Winter natürlich noch einmal trüber, aber was soll’s. Und natürlich sterben die Leute ohnehin schon wie die Fliegen. Nur geht das offenbar jemandem nicht schnell genug. Irgendeinem Angehörigem mit Erbwunsch? Dem Pfleger mit dem unappetitlichen Nebenerwerb? Oder einem von den Alten? Da gibt es ja auch solche und solche. Mit einem seiner Schutzbefohlenen verbindet den Suchanek bald so etwas wie eine Freundschaft. Der Mann bekommt nie Besuch, hasst alte Menschen und wird doch zur treibenden Kraft hinter Suchaneks Ermittlertätigkeit …

Ein extraschwarzer Wienkrimi mit extratrockenem Humor

320 pages, Paperback

Published December 15, 2017

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Rainer Nikowitz

12 books1 follower

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Alexandra .
936 reviews380 followers
May 10, 2019
„Wer bringt denn Leute um, die sowieso bald von selber sterben?“
Diese sehr berechtigte Frage stellt sich der Autor in seinem bitterbösen mit dunkelschwarzem Humor getränkten morbiden Kriminalroman, indem er das Setting seiner Mordhandlungen in ein Seniorenheim verlegt. Hier möchte ich vorab gleich eine Warnung herausgeben, denn wer bezüglich der Grauslichkeiten* des Alterns etwas zart besaitet ist, sollte diesen Roman meiden, Rainer Nikowitz spricht sie alle an … plastisch, gnadenlos und teilweise bis zur Schmerzgrenze widerlich. Ganz meine Abteilung, aber ich darf das ja auch lustig finden, bin ich doch seit 2018 in die Gruppe der UHU’s aufgenommen worden und sollte mich mit dem nötigen Galgenhumor schön langsam genau auf diese Situation vorbereiten 😉 .

Im dritten Band seiner Kriminalreihe rund um Suchanek, den Ermittler wider Willen, der permanent unschuldig in solche mörderischen Kalamitäten hineingezogen wird, hält dieser sich also längerfristig in einem Altenheim auf. Warum? Alleine schon wie der Autor diese Situation auflöst, beschreibt die Skurrilität des Plots. Den notorischen Kiffer hat es zwangsläufig einmal tatsächlich erwischt, er ist mit 100 g Marihuana aufgegriffen worden und wurde vom Richter postwendend zu einer gehörigen Portion Sozialstunden im Haus Sonne, der Aufbewahrungsstation für halbtote Senioren, vergattert.

Kaum trifft unser Antiheld an seinem neuen längerfristigen Arbeitsplatz ein, hat die Einführungen des Pflegepersonals über sich ergehen lassen, die Situation gecheckt und sich nächtens durch die Beschaffung von THC-freiem Urin für die nächste gerichtliche Überprüfung in abgesperrte Bereiche des Heims begeben, stolpert er prompt über die in einer Waschmaschine befindliche erste Leiche, die aber nicht die einzige in dieser Geschichte bleiben wird. Ist der Mörder jemand vom Pflegepersonal? Oder ein Angehöriger, der den Eintritt der Erbfolge nicht erwarten konnte? Der Verdächtigen sind viele, die dem Leser gemäß einer möglichst optimalen Krimikonstruktion ein lustiges Mörderraten bescheren. Zudem ist einer der potenziellen Seniorenmetzler, der Enkel einer Insassin, auch noch sein ehemaliger Nebenbuhler um die Gunst der schönen Susi, der großen Liebe Suchaneks aus seinem Heimatdorf, der das Rennen um die Frau auch noch gewonnen hat.

Auch die anderen Figuren sind sehr liebevoll bis ins letzte Detail entwickelt, Frau Zillinger, eine demente Patientin, die immer wegläuft und eingefangen werden muss, alle Figuren aus medizinischem und Pflegepersonal, von denen jeder so seine Geheimnisse hat, und die teilweise den Arbeitsplatz für die Abwicklung ihrer krummen Geschäfte nutzen, der hellwache, aber gelähmt ans Bett gefesselte ehemalige Universitätsprofessor Renner, der eine ganz fiese, bitterböse Ader hat und sich zumindest geistig als Hobbyermittler und kriminologischer Berater Suchaneks betätigt, die pensionistische Saunagruppe, die den Begriff Sex im Alter zumindest für mich neu definiert hat … .

Alle sind wundervoll, sehr genau, treffend und teilweise bis zum Anschlag boshaft und respektlos mit spitzer Feder gezeichnet. Die Sprachfabulierkunst von Nikowitz ist ohnehin legendär. Die Wuchteln* fliegen wie schon in seinen letzten Romanen aus der Suchanek-Krimireihe tief – respektive infolge des Themas noch tiefer. So nun meine Triggerwarnung für total unkorrekten bösartigen Geriatriehumor – weiterlesen auf eigene Gefahr – gesteigert von größtenteils harmlos bis urgrauslich*.

"Aber das wusste man ja über das Geriatriegeschwader. Frühe Vögel allesamt, flügellahm zwar, aber früh. Beim Aufstehen, beim Essen, bei allem. Wenn du willst, dass ein Alter um drei irgendwo ist, sag ihm, er soll um vier kommen."

"Wozu klopfen Sie? Um mir das Gefühl zu geben, hier drin gäbe es noch Spurenelemente von Privatsphäre? […]
Ich weiß nicht, warum diese Sozialwimmerln (Anm. Pflegepersonal) immer so randvoll mit pickigem Betulichkeitseiter sein müssen. Immer besorgt, immer sendungsbewusst, immer hilfsbereit. Wenn er mir wirklich helfen will, dann erschießt er mich endlich."

"Und sie war überall blond. Nicht, dass sich das bei den vielleicht vier Schamhaaren, die sich noch tapfer auf ihrem eingestürzten Venushügel festkrallten, groß ausgezahlt hätte. Aber sie hatte diese sogar noch, wie moderne Frauen das nun einmal taten, akkurat gestuzt. Und Suchanek hatte das Privileg, diese Pracht aus nächster Nähe genießen zu dürfen […]
Wie er mit eindrucksvoll wogenden Hängetitten (ja der Gustl war ein Mann: warum die Frage?) und bis unter halbe Oberschenkelhöhe pendelndem Skrotum den schneidenden Alkoholdampf mit dem Handtuch auf einen herunterprügelte – das konnte nicht gesund sein."


Im Kriminalplot war zumindest für mich die Handlung bis zum Ende nicht durchsichtig. Der Täter und das Motiv waren zwar überraschend konzipiert, aber plausibel und plottechnisch nicht an den Haaren herbeigezogen. Für mich war also nicht nur die Geschichte, die Figuren, die Sprache und der böse Humor perfekt gestaltet, sondern auch mein Krimiherz wurde restlos befriedigt. In der letzten Szene war ich sogar richtig gerührt, denn der Autor schafft es auch noch, einen Schuss Traurigkeit in dieser bösen Story zu plazieren.

Fazit: Extrem genial und schon wieder ein absolutes Highlight in diesem Jahr. Ein witziger, grandios konzpierter Krimi, aber beileibe nicht für jedermann geeignet. Ich überlege mir gerade, das witzig unter Anführungszeichen zu setzen, lasse dies aber bleiben, denn ich fand ihn unglaublich lustig.

*grauslich, Grauslichkeit – widerwärtig, ekelerregend.
*Wuchtl – ein Scherz der so heftig so witzig, tief und manchmal auch dreckig ist, dass er wie ein Fußball mitten in Dein Gesicht klatscht – die Bezeichnung Wuchtel kommt sogar aus dem Fussball, wurde aber in Österreich bald auf jedweden wirkungsvollen Scherz im Bereich der Ironie aber auch in tieferen Gefilden angewendet.
Profile Image for Cynnamon.
784 reviews146 followers
October 11, 2022
English version below

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Der Suchanek, ein arbeitsscheuer Kiffer Mitte 30, wird von der Polizei mit 100 g Gras erwischt und vom Gericht zu 200 Sozialstunden im Altersheim verurteilt.

Kurz nach seinem Arbeitsantritt geht es jedoch bereits los mit den Morden im Altenheim Sonne und Suchanek bleibt keine Wahl als mit seinem besten Freund und bevorzugtem Dealer Grasel und einem extrem zynischen Patienten von der Pflegestation zu ermitteln, schon allein um seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen.

Rainer Nikowitz schreibt mit atemberaubender Ironie über die Bürde des Alters und über den Umgang mit den Alten im Heim und verpackt diese Themen in einen bemerkenswert absurden Krimi. Das ist schwarzer österreichischer Humor vom Feinsten. Ich hatte im wahrsten Sinne des Wortes einen Mordsspass mit diesem Krimi und muss mich jetzt gleich auf die Suche nach den beiden Vorgängerbänden in dieser Reihe machen.

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Suchanek, a work-shy pothead in his mid-30s, is caught by the police with 100 g of weed and sentenced by the court to 200 hours of community service in a retirement home.

Shortly after he starts work, however, the murders begin in the Sonne nursing home and Suchanek has no choice but to investigate with his best friend and preferred dealer Grasel and an extremely cynical patient from the nursing ward, if only to get his neck out of the noose .

Rainer Nikowitz writes with breathtaking irony about the burden of old age and how to deal with the elderly in the home and packs these topics into a remarkably absurd thriller. This is black Austrian humor at its finest. I literally had a blast with this thriller and now I have to start looking for the two previous volumes in this series.
Profile Image for Mr. P.
302 reviews
January 9, 2024
Oh Mann, was für eine gelungene, lose Fortsetzung der unfreiwilligen Mordermittlungen des Underdogs und Lebensversagers Suchanek

In diesem Fall tatsächlich so richtig unfreiwillig, zwingt ein verbittert wirkender Pensionist im Altenheim in Wien Hütteldorf den armen tragischen Helden dazu, eine mysteriöse Mordserie im Heim aufzuklären.

Und Rainer Nikowitz gelingt es erneut, mit unverschämt unverblümtem Stil und dreckigem Witz den Leser schmunzelnd an seinen ungewöhnlichen Krimi zu fesseln.

Für alle, die rohen Humor gegenüber perfekter Grammatik oder gehoben gekünsteltem Stil bevorzugen eine klare Empfehlung!
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