Eine Reihe von unaufgeklärten Mordfällen überzieht Berlin.
Mehrere Flüchtlingswellen, offene Grenzen und eine schleichende Islamisierung haben aus Deutschland ein Land gemacht, das scheinbar ohnmächtig einer steigenden Kriminalität und dem Verschwinden seiner eigenen Kultur zusieht. In Berlin kreuzen sich die Wege von unterschiedlichen Männern aus verschiedenen staatlichen Bereichen, die eines Nicht mehr wegschauen zu wollen. Wie weit müssen sie gehen, wenn sie das Zeitgeschehen beeinflussen wollen? Sie müssen Grenzen überschreiten, auch wenn das bedeutet, ihr gewohntes Leben hinter sich zu lassen.
Bei Kniefall handelt es sich um ein zugleich düsteres wie auch hoffnungsvolles Werk des für seine Arbeit als Influencer der alternativen Szene bekannten Autors Timm Kellner. Als ehemaliger Polizist kann er einiges, was bei den Sicherheitsbehörden im Hintergrund abläuft, gut nachvollziehen, was sich in den detailreichen Schilderungen im Roman widerspiegelt. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, was sich seit dem Erscheinungsdatum des Buches bis heute in Deutschland getan hat, darf man konstatieren, dass die dargestellten Zustände im Roman durchaus denen entsprechen, die man in der Realität erleben kann. Prinzipiell kann man das Werk in zwei Teile aufteilen: Im ersten Teil erfährt der Leser etwas über die von der ausländischen Schattenwelt weitgehend übernommenen Berliner Unterwelt, wo Clans gegenseitig um Einfluss kämpfen; im zweiten Teil macht sich eine fünfköpfige Verschwörergruppe daran, durch gezielte Attentate und Aufstachelung der Unterwelt gegeneinander die negativen Entwicklungen für das Land zumindest etwas abzufedern. Insgesamt muss man feststellen, das es sich hier nicht um ein großartig ausformuliertes oder sprachlich ziseliertes Werk handelt. Stilistisch ist der Roman äußerst mangelhaft, selbst wenn die Werte, die auf jeder Seite durchscheinen, durchaus zu begrüßen sind. Inhaltlich hätte der Roman großes Potenzial, bleibt aber weit hinter den Erwartungen zurück, die man mit dem Stoff an sich hätte verbinden können. Wenngleich eine gewisse Spannung vorhanden ist, handelt es sich eher um eine lange Zustandsbeschreibung der - mittlerweile realen - Lage, in der sich Deutschland befindet. Dem Anspruch, hier ein mitreißendes literarisches Werk zu erschaffen, wurde der Autor nicht gerecht. Ganz offen gesagt sympathisiere ich sehr mit dem Autor, der für wunderbare satirische Unterhaltung bspw. auf YouTube sorgt, doch dieser Roman bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, die man angesichts des reichhaltigen Stoffes der zwischenzeitlich teils dystopischen Zustände in der BRD hätte haben können. Angesichts der obigen Umstände mehr als die zwei Sterne zu vergeben würde ich als unehrlich empfinden. Trotzdem empfehle ich den anders gearteten Content des Autors gerne uneingeschränkt.