Im Anschluss an die territoriale 'Flurbereinigung' der napoleonischen Zeit erfuhren auch die Dorfer Oberschwabens einen breit angelegten kulturellen Modernisierungsdruck. Mit grossem missionarischem Eifer versuchten der wurttembergische Staat und die katholische Amtskirche, landliche Mentalitat und Lebensformen einem burgerlichen Zivilisationsideal anzugleichen. Welche Hoffnungen, kulturell bedingten Fehlwahrnehmungen und schliesslich Enttauschungen spiegeln die amtlichen Visitationsberichte in den Einschatzungen des Landvolks? Wie weit konnte der Staat uber seine moderne Bezirksverwaltung in die dorflichen Strukturen eindringen? Wie und wo stiess er auf dorflichen 'Eigensinn'? Die Amtsquellen der unteren Ebene eroffnen uberraschende Einblicke in eine Verwaltungspraxis, deren Regeln sich offensichtlich nicht mit den Stuttgarter Vorstellungen deckten, sondern vielmehr zwischen dorflichen Eliten und den staatlichen sowie kirchlichen Amtstragern in einem lebendigen Prozess verhandelt wurden. In der Verknupfung unterschiedlicher Perspektiven von Dorf-, Verwaltungs- und Religionsgeschichte nahert sich diese Studie dem komplexen Prozess der Modernisierung und dem mit ihm verbundenen Umbau der Mentalitaten. Die Arbeit wurde mit dem Franz-Ludwig-Baumann-Preis der Gesellschaft Oberschwaben fur Geschichte und Kultur ausgezeichnet.