Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um die erste Biographie eines Schauspielers, die ich gelesen habe, ohne überhaupt einen Film mit ihm bewusst wahrgenommen zu haben.
Ohne besondere Erwartung zu einer Lesung zu gehen, außer natürlich, sie möge kurzweilig und unterhaltsam sein, hat sich für mich in diesem Fall ausgezahlt. Das Charisma Günther Maria Halmers, seine Direktheit, Geradlinigkeit sowie sein Humor haben mich neugierig darauf gemacht, sein ganzes Buch kennenzulernen.
Die erste Hälfte war nach der Lesung nicht mehr neu für mich und bot kaum noch Überraschung. Aber immerhin hatte ich noch seine leidenschaftliche Stimme im Ohr und schmunzelte erneut über seine Erlebnisse, vor allem bei der Bundeswehr, in der kanadischen Asbestmine und beim ersten Vorsprechen in der Schauspielschule. Anschließend wurde es für mich besonders interessant, weil er nun von Dreharbeiten, Filmkollegen und seiner Ehe berichtete.
Herr Halmer hat guten Grund, ein Buch auf die Menschheit loszulassen. Denn er weiß wirklich eine Menge zu erzählen. Sei es Humorvolles wie seine ungeliebten Ritte auf Filmpferden oder seinem ersten Vorstellungsgespräch bei einer Bank oder erschütternde menschliche Eindrücke und Beobachtungen, als er in Indien und der Sowjetunion dreht oder auch die Auseinandersetzung mit der Rolle des Rudolf Höß, den er zwei Mal in einem Film spielte.
Er weiß stets Maß in Länge und Detail in seinen Geschichten zu wahren. Sein Erzählfluss ist wunderbar dahintreibend und mitreißend. Obwohl er mancherorts aus dem Nähkästchen plaudert, geschieht dies stets mit Anstand und Niveau. - Was mich in der Lesung wie im Buch besonders fesselte, war die Darstellung seiner Suche nach seiner eigenen Sinnhaftigkeit, der ihn quälenden Frage nach seiner Berufung unter wachsenden Druck seines Vaters.