Dreizehn Frauen (Bella, Martha, Karen, Sina, und wie sie alle heißen) Ende der 60er Jahre in einer mittelkleinen Universitätsstadt. Im Strudel der APO-Bewegung ist möglich, was vorher in der Düsternis der Nachkriegszeit undenkbar war. Nun also Demonstrationen, Happenings, Versammlungen und endlose Debatten um Reformen! Bis hin zum Kinderladen. Experimente aller Art.
Die dreizehn Frauen dieses aufrichtigen, „realfiktionalen“ Romanes sind verknüpft. Sie kennen sich. Die Erzählende beobachtet und beschreibt deren Entwicklung jeweils sehr genau: Jede ist anders „gestrickt“, jede wird auch einen ganz eigenen Lebensweg einschlagen (gewollt und ungewollt). Aber so will es diese seltsame Melange aus Herkunft, Biografie, neuem Rollenverständnis und jenem Schicksal – samt aller Zufälle, die auch noch so bestimmend sind.
Wir schauen 13 besonderen Frauen in 13 Kapiteln dabei zu, wie sie über 50 Jahre hinweg geworden sind. Wie sie leben, wie sie ticken, was sie denken. Liebe, Krankheiten, Enkel, Trennungen, Erfolge, Scheitern. Alles ist zu finden.
Da kommt ein uralter Vorschlag wieder hoch: Jene Fahrt nach Nizza, ins Hotel, und sich dort ein Wochenende schick „oldfashioned“ gekleidet austoben. Champagner, ja, zugleich aber auch eine (eher wenig dazu passende) Pizza. Wildheit, Mut, Abenteuerlust, etwas Spinnerei. Werden die Freundinnen von einst diese spleenige Tour auf ihre alten Tage noch hinbekommen? Sind sie noch so drauf wie damals?
Dieses Buch ist ein wirklich gelungenes Stück deutscher Geschichte. Es zeigt, was aus den rebellischen Frauen wurde, die durch die Ereignisse 67/68 und die APO geprägt wurden, jeweils einzeln, mit ihrer ganz eigenen "Story" des Lebens, teilweise auch verknüpft als Gruppe. Und irgendwie kennen sich alle 13 ja auch, direkt oder indirekt über Erzählungen der anderen. Zum Beispiel als Gruppe Studierender in jener kleinen oder mittelkleinen Universitätsstadt, oder als Gruppe von Frauen, die sich (teils zusammen mit ihren Männern) in der Kinderladenbewegung engagieren. Das alles ist ganz klar geschildert, wie durch ein Mikroskop sieht man durch den klugen Roman von Hanna Pfetzing in die deutsche Geschichte hinein, hier erleben wir eine exemplarische Teilgeschichte der Frauenbewegung, literarisch, zugleich wirkt alles so real und wahr, weil reale Erlebnisse fiktional neu zusammengesetzt wurden, als wäre alles so passiert. Und eigentlich ist es ja auch so passiert, genau so. Und diese Frauen leben 50 Jahre nach den Ereignissen zumeist ja auch noch weiter, (fast) genauso, wie es das Buch beschreibt.