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Der Holunderkönig: Von einem, der auszog Peter Handke zu treffen

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Eine Reise in die Welt von Peter Handke.

Spurensuche in Chaville
Ein Mann bricht eines Morgens nach Chaville nahe Paris auf, um das Haus von Peter Handke, für den er schon lange schwärmt, zu finden. Er fragt in der örtlichen Buchhandlung nach und im Rathaus, zieht Häuser in die engere Wahl und kehrt in Bistros ein, in denen er sich Handke vorstellen kann. Seine Suche, grundiert mit Reflexionen über dessen Werk, mündet in einen Bericht, den er dem verehrten Schriftsteller eines Tages im Frühjahr hinter sein Gartentor stellt. Da beginnt ein Briefwechsel, der schließlich in einer Einladung Handkes zu einem Treffen in seinem Haus gipfelt. 

Kluge und spielerische Annäherung an Peter Handke und sein Werk
Diese schwärmerische Geschichte rankt sich um das klassische Thema vom "Traum, der Wirklichkeit wird" und erstreckt sich über einen Zeitraum von zehn Jahren. Freundlich und klug, spielerisch und sanft gestaltet Rolf Steiner seine Reise in die Welt des österreichischen Autors: eine umsichtige und gleichzeitig leidenschaftliche Annäherung, die mehr ist als eine Suche nach dem Niemandsbuchtler, dem Holunderkönig - es ist eine Liebeserklärung an die Literatur und die Kunst überhaupt. Und es ist ein wunderbares Buch für Anhänger einer vergangenen analogen Welt, in der man noch voller Aufregung Briefe öffnet und sich über die Pilz- oder die Walnussernte austauscht.

208 pages, Hardcover

Published October 3, 2017

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About the author

Rolf Steiner

8 books1 follower
German born mercenary. Fought in Vietnam and Algeria as part of the French Foreign Legion. Imprisoned for membership in the anti-de Gaulle Secret Army Organization (OAS). Later fought in for Biafra in the Nigerian Civil War and for the Anyanya in the Sudanese Civil War.

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Profile Image for Michael.
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January 1, 2018
2017, im Jahr von Peter Handkes 75. Geburtstag, sind zahlreiche Bücher erschienen, die sich mit dem zurückgezogen in Chaville bei Paris lebenden Autor beschäftigen. In diese Publikationswelle ein reiht sich DER HOLUNDERKÖNIG von Rolf Steiner. Steiner ist Jahrgang 1951 und arbeitet „als Schriftsteller und Bildender Künstler sowie als Grenzgänger (Schrift-Steller) zwischen Wort und Bild“.

Zu Beginn erzählt Steiner von seinen Jugendjahren und den Einflüssen, die prägend für ihn waren. Er outet sich als „Schwärmer“, der Peter Handke für sich entdeckt und in den Bann des Autors und seiner Bücher gezogen wird. Dieser erste Teil des HOLUNDERKÖNIGS hat mich angesprochen, sprachlich und auch inhaltlich, weil ich die Begeisterung nachvollziehen kann: Handke zu lesen ist auch für mich nicht nur die Beschäftigung mit Literatur; seine Bücher beinhalten das Versprechen, dass ein selbstbestimmtes Leben möglich ist, wenn man sich von den gängigen, vorgefertigten Rede- und Denkmustern freimachen kann, dem Eigen=Sinn der Worte nachlauscht und sich nicht vom Konsumterror auffressen lässt.

Steiners Begeisterung (das Wort Bewunderung mag Handke nicht) führt zu einer kreativen Anverwandlung von Handkes Büchern, sowohl in Kunstprojekten wie auch literarisch im HOLUNDERKÖNIG.
Der Bericht seines ersten und zweiten Besuchs in Chaville, bei dem Steiner schließlich das versteckt liegende Haus von Handke findet, fand ich sehr sympathisch: Bedenken, Verunsicherung, aber auch Humor („Und weiter fragte ich mich, ob ich auf meiner Radtour wohl noch einem E-Zigarette rauchenden Elektrobuchleser begegnen würde?“) prägen diesen schön erzählten Teil des Buches.
Daran schließt sich Steiners Briefwechsel mit Handke an, der recht einseitig ist und die Bezeichnung „Wechsel“ kaum verdient, schließlich aber dazu führt, dass Steiner nach 11 Jahren (!) eine Einladung erhält, den verehrten Autor in seinem Haus in Chaville zu besuchen.
Mir ging es beim Lesen so, dass ich ab der Beschreibung dieses Besuchs den Eindruck hatte, dass Steiner immer weiter aufdreht und seine Sprachspiele und Reflektionen etwas sehr Gewolltes bekommen. Und natürlich wird der Besuch von Steiner wiederum zu einem literarischen Bericht verarbeitet, den er in einem Künstlerprojekt verwenden will. Er lässt Handke den Text zukommen, der sich (erst auf Nachfragen Steiners) knapp dazu äußert:

„Lieber Rolf Steiner,
Verständnis bitte für meine späte und eher nichtige Reaktion auf Ihr Skriptum. Viel Edelsinn ist drin, aber vielleicht sollten Sie ihn weniger oder lakonischer propagieren. Schwärmen ist etwas Gutes, nur: es formen! (Nicht zu sehr) (…)“


Ich denke, Steiner hätte vielleicht gut daran getan, diesen Ratschlag zu beherzigen und seinen HOLUNDERKÖNIG noch einmal zu überarbeiten, zu straffen und sich gelegentlich etwas zurückzunehmen. Der Grad an Mimikry und die Beharrlichkeit, die sensiblere Naturen als aufdringlich empfinden mögen, haben gemischte Gefühle beim Lesen ausgelöst: die so häufigen Anfragen, wann ein Besuch möglich wäre, noch häufiger das Anerbieten, dem Schriftsteller eine Tüte mit Nüssen vor die Tür zu stellen (Gegenstück zu Handkes Pilzsammlerei), empfand ich als grenzüberschreitend.
Dafür funkeln die in den HOLUNDERKÖNIG eingebetteten Zitate von Handke, die überwiegend BAUMSCHATTENWAND entnommen wurden, dem Leser umso heller entgegen:

“Die Frischluft der Anschauung, auch bei geschlossenen Fenstern. – Wenn ein Lesen nicht zugleich deine Anschauung (dein Anschauen) verstärkt, verschärft, vertieft – laß es bleiben! Oder lies anders. Oder lies anderes.“
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