Abzüge gibt es für den leicht irreführenden Titel. Einführung in "die Philosophie" meint hier nicht "Einführung in philosophische Fragestellungen und Epochen", sondern - und auch das eher am Rande - "Einführung in Techniken des Philosophierens". Pascal Zorn wendet sich vor allem an Studierende des Faches und führt in die Techniken des Philosophiestudiums (!) ein, die - wenn alles glückt - an Ende vielleicht zu eigenem Philosophieren führen. Als solches ist der Text sicher verdienstvoll, ergänzt er doch umfangreich ein entsprechendes Einführungsseminar in wissenschaftliches Arbeiten.
Gelegentlich merkt man dem Text den Frust des Autors über die abnehmende Fähigkeit Studierender an, sich jenseits vorgefasster Meinungen oder populärer Moralvorstellungen historisch und kritisch mit längeren (!) und nicht sofort verständlichen Texten auseinanderzusetzen und dazu in eine wirklich produktive und nicht bloß selbstdarstellerische Diskussion einzutreten. Wer unerfahren in diesen Dingen ist und ein Studium geistes- oder sozialwissenschaftlicher Fächer aufnehmen will, dem sei diese Einleitung warm an Herz gelegt. Da kann man was lernen, denn wo sonst wird eingängig erklärt, was ein Exzerpt ist und wozu es gut sein kann?
Die Aussagen zu den verschiedenen möglichen Weisen der Textlektüre/ - Erschließung sind auch für Leser/innen geeignet, die für sich und andere literarische Texte gründlicher und qualifiziert erschließen wollen. Was hier über Texte von Philosoph/innen gesagt wird, trifft auch auf die von Autor/innen fiktionaler Texte zu. Insofern ein Buch für manch einen Goodreads- Freund resp. eine Freundin. Für mich eher eine Erinnerung an eigenes Scheitern und spätere Versuche, die dabei gemachten Erfahrungen an Studierende einer Zeit weiterzugeben, die noch kein Internet, aber schon die Verweigerung der Lektüre "dicker Wälzer" kannte. "Selbstdarsteller" mit angelesenen Fremdmeinungen und dem unerschütterlichen Selbstbewusstsein, andere wären an ihrem intellektuellen Vakuum interessiert, lernte ich erst später kennen, als ich 2010 noch einmal aus Spaß als Gasthörer osteuropäische Rechtsgeschichte in Leipzig hörte und mich an Seminaren beteiligte. Gott (?) sei Dank ist mir so was als Lehrendem erspart geblieben.
Kurz, die drei Sterne beziehen das Lektüreerlebnis auf mich und sagen nichts über den Wert des Buches für Beginner aus. Denen sei es - ich wiederhole mich - wärmstens empfohlen.