What do you think?
Rate this book


Boris Schitkow erzählt das Schicksal zweier Familien und richtet dabei das Hauptaugenmerk auf die beiden Söhne Wiktor Wawitsch und Alexander Andrejewitsch "Sanka" Tiktin. Der aus der Provinz stammende Wiktor träumt davon, als Soldat zu Ruhm und Ehren zu gelangen, bescheidet sich jedoch notgedrungen mit einer Stelle als "Revieraufseher" im Polizeidienst. Sanka, Chemiestudent und Sohn eines Bankdirektors, beteiligt sich während der Aufstände an einem Eisenbahnüberfall und gerät in die Mühlen der Justiz. In der Gegenüberstellung dieser beiden Protagonisten spiegeln sich die revolutionären Verwicklungen, werden Mut und Selbstlosigkeit, Eigensucht und Feigheit als Triebkräfte politischen Handelns entlarvt, zeigt sich die Unentschiedenheit der Volksmassen ebenso wie die Willkür der scheinbar Mächtigen.
In seiner epischen Breite steht Wiktor Wawitsch in der Tradition der großen russischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. In stilistischer Hinsicht -- er ist in 150 schlaglichtartige Passagen aufgeteilt -- gemahnt der Roman allerdings an die modernistischen Meister des 20. Jahrhunderts, nicht zuletzt an seine Zeitgenossen Dos Passos und Faulkner. Schitkows erzählerischer Kraft und kompositorischer Souveränität ist es zu verdanken, dass dieses vielschichtige Bild einer Gesellschaft in Aufruhr nie unübersichtlich wird. Rolf Vollmann drückt das in seinem Vorwort so aus: Schitkow "bleibt so hart an der Realität, dass er jede Behäbigkeit und Behaglichkeit des gewohnten guten alten Erzählens daran zerschellen lässt, und zwar so gründlich und auch wieder schön, dass wir sie überhaupt nicht mehr vermissen". Dieser Roman wiegt ganze Wagenladungen zeitgenössischer Betulichkeit auf. In einem an Übersetzungen aus dem Russischen überreichen Büchermarkt bildet er zweifellos einen einsamen Höhepunkt. --Hannes Riffel
944 pages, Paperback
First published January 1, 1941