Als erster Mensch versucht Thomas Ulrich, allein den Nordpol zu überqueren, 1800 Kilometer von Sibirien nach Kanada. Doch kurz nach dem Aufbruch zieht ein Sturm auf. Auf einer Eisscholle driftet der Abenteurer hinaus auf den arktischen Ozean. Aus Stunden der Verzweiflung werden Tage, und unter seinen Füßen zerspringt das Eis.
DuMont True Tales, das sind kurze Gänsehaut-Geschichten aus dem wahren Leben. Extrem gut erzählt, extrem spannend. Oft geht es ums Überleben. Immer geht es um den Mut einiger weniger – Abenteurer, Entdecker, Retter, Reporter –, die viele inspirieren werden. Großes Kopfkino in kleinen Bänden.
Thomas Ulrichs Leben wird sich von nun an in eine Zeit vor der Eisscholle und nach der Eisscholle einteilen lassen. Dass eine Expediton auch schief gehen könnte, war vor dem Ereignis für ihn reine Theorie. 2006 startet er allein von Sibirien aus über den Nordpol Richtung Baffin Island/Kanada. Als Ulrich kurz nach dem Start auf einr Eisscholle abgetrieben wird und das Eis nicht mehr hält, muss er zunächst damit rechnen, dass er erst 6 Tage später aus dem Eis evakuiert werden kann. Die Eisscholle zwingt den Abenteurer vermutlich zum ersten Mal im Leben, den Dingen ins Auge zu sehen. So schlimm wie anfangs vermutet kommt es nicht, doch die Tage auf der Eisscholle werden zum Wendepunkt im Leben des Schweizers, der vorher als Bergführer und Kameramann gearbeitet hat. Über seine Rettung kann Ulrich sich nicht recht freuen, die Gedanken kreisen um sein Scheitern und über die Last, die er Frau und Kindern mit seinem Abenteuer aufgebürdet hat.
Birgit Lutz dokumentiert die Ereignisse in sachlichem Stil, eingeschoben werden einige für Ulrich charakteristische Zitate. Ergänzt durch viele Karten, Skizzen und Fotos ist die reine Geschichte sehr viel kürzer als 120 kleinformatige Seiten. Einer True Life Story fehlen die Planung der Expedition vorher und mehr Reflexion nachher; die Selbstkritik wird hauptsächlich von der Berichterstatterin behauptet und weniger vom Abenteurer selbst entwickelt.
Also ne, das war echt kein Buch, das ich mochte: Von Anfang an war mir Thomas furchtbar unsympathisch. Er begibt sich sehenden (aber offensichtlich doch fest zugekniffenen) Auges in Gefahr, und das aus welchem Grund? Stolz? Abenteuerlust? Nennt mich engstirnig, aber mit jemanden der sich so starrköpfig in Gefahr begibt, habe ich kein Mitleid. Und damit meine ich nicht, dass Polarexpeditionen Quatsch oder unnötige Gefahren wären (wäre niemand dorthin gefahren, wüssten wir wohl ziemlich wenig über unsere Welt), aber sich 40km vor dem sicheren Startplatz absetzen zu lassen, nur um seine 1800km zu erfüllen und stur bei seinem Vorhaben zu bleiben, obwohl Wetter und Umstände prophezeien, dass es zu gefährlich ist, halte ich einfach für dumm. Und dann ist das Buch auch quasi schon vorbei, ehe es begonnen hat: Er kommt an, schafft gefühlt 5km, gerät in Not und überlebt.. Fertig. Und der Rest? Selbstbeweihräucherung, wieso er nicht egoistisch wäre. Ne, ne, ne... Artikbuch? Toll! Alles andere? Doof.