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Kommissar Lazare #1

Lazare und der tote Mann am Strand

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Ein Toter am Strand: tragisch, aber im malerischen Sète, dem Venedig Südfrankreichs, kein seltener Unglücksfall. Wahrscheinlich hat es doch nur wieder etwas mit den internen Streitereien der Gitans zu tun, die hier schon seit Jahren am Stadtrand siedeln. Seltsam also, dass extra ein Kommissar aus Montpellier angefordert wird für diesen Fall. Die Behörden vor Ort sind konsterniert und empfangen Kommissar Lazare entsprechend. Sie ahnen nicht, dass Lazare angetreten ist, ein riesiges – und wenn es sein muss, mörderisches – Komplott aus Mauschelei, Korruption und Betrug aufzudecken, das die ganze Region im Würgegriff hat. Was andererseits Lazare nicht ahnt: dass zudem eine offene Rechnung aus Frankreichs jüngerer Vergangenheit darauf wartet, beglichen zu werden.


385 pages, Kindle Edition

Published June 13, 2017

6 people want to read

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Robert Hültner

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Profile Image for Buchdoktor.
2,375 reviews192 followers
July 12, 2017
In Sête im französischen Languedoc wird ein junger „Gitan“ tot aufgefunden. Die örtlichen Ermittler reagieren verschnupft darauf, dass ihnen für einen ihrer Ansicht nach Routinefall ein erfahrener Ermittler aus Montpellier geschickt wird. Lazare, der Mann aus Montpellier, behält zunächst für sich, dass er enge Beziehungen zur Region pflegt. Er hat hier seine Polizei-Ausbildung begonnen und sein Ex-Chef lebt, hochbetagt, noch in Sête. Lazares Onkel Jules, auch er hochbetagt und außerdem zunehmend verwirrt, droht nach sintflutartigen Regenfällen sein Anwesen über dem Kopf zu zerfallen. Die Cevennen sind nun einmal ein Landstrich voller bockiger Hugenottenabkömmlinge und ehemaliger Widerstandkämpfer. Im Vergleich zu den alten Herren, die gern von früheren Heldentaten erzählen, wirkt Lazare selbst erschreckend durchschnittlich. Lazare hatte gerade die nötigsten Unwetterschäden an Onkel Sisets Haus beseitigt, als er zum Fall des toten Pablo Fernandez abgerufen wird. Auf seiner To-Do-Liste bleibt deshalb unerledigt, wie es mit Onkel Siset weitergehen soll, der wrklich nicht mehr allein leben kann. Außer dem Fall Fernandez verfolgt Lazare in der Region sehr eigene Interessen, hält den Kollegen gegenüber seine Karten jedoch lange verdeckt. Lazare tritt Zeugen gegenüber ungewöhnlich forsch auf und macht sich mit seiner Heimlichtuerei keine Freunde in der Polizeistation. Dass er mehr erfahren würde, ließe er die jüngeren Kollegen auch einmal ausreden, geht ihm in möglichen Folgebänden hoffentlich noch auf.

Als parallel zu dieser Handlung in der unmittelbaren Umgebung zwei ältere Männer unter verdächtigen Umständen ums Leben kommen, stellt sich auch hier die Frage nach Motiv und möglichen alten Geschichten. Der Spur des Geldes folgend, faltet Robert Hültner die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse einer kargen Region auf, in der eine Generation allmählich ausstirbt und eine andere auf der Suche nach einem Lebensunterhalt zuwandert. Der Tourismus hat sich bisher als launische Geliebte gezeigt; denn Touristen stornieren gern ihre Buchungen, sobald der erste Regentropfen fällt. Wie und wovon die Leute leben, fand ich höchst spannend. Die Ermittler müssen sich damit befassen, wie die zugezogenen „Neos“ mit der gerade abtretenden alten Garde der Landwirte klarkommen, wer Geschäfte macht, wem der Grund gehört und wem der Zugang zu einer der raren Wasserquellen. Auch die Frage stellt sich, warum gerade zwischen Sête und Deutschland eine enge Beziehung zu bestehen scheint.

Hültner hat wie in seinen Kajetan-Krimis die wirtschaftliche und politische Situation seines Schauplatzes akkurat und detailreich recherchiert. Neben der Charakterisierung einer beachtlichen Anzahl von Figuren wirkt das Funktionieren des menschlichen Biotops zumindest ebenso spannend wie der Showdown zum Ende und die Auflösung eines höchst komplizierten Falles.
Profile Image for Havers.
902 reviews21 followers
August 31, 2017
Robert Hültner, Krimilesern bestens bekannt durch seine mehrfach ausgezeichneten Inspektor-Kajetan-Romane, hat mit seinem neuesten Roman „Lazare und der tote Mann am Strand“ zwar nicht das Genre, aber sowohl die Hauptfigur als auch Region gewechselt. Südfrankreich an Stelle von Bayern - aber keine Angst, den Leser erwartet keiner dieser üblichen Urlaubskrimis, die sich mehr um Land, Leute und Kulinarik als um einen ausfeilten Plot kümmern. Doch dafür ist Hültner viel zu politisch, als dass er in diese Falle tappen würde.

Narciso Lazare, der Commissaire aus Montpellier, ermittelt in Sète, der Hafenstadt im französischen Midi und der umliegenden Region. Vordergründig zur Verstärkung entsandt, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen. Diese sind etwas konsterniert, denn ein ertrunkener Roma erfordert ihrer Meinung nach nicht den Einsatz der Kavallerie. Kommt in dieser Gegend öfter vor, ist halt Routine. In Wirklichkeit ist Lazare aber einer viel größeren Sache auf der Spur, und dort eingesetzt, weil er die Gegend wie seine Westentasche kennt. Glücklicherweise ist er für Ermittlungen vor Ort, denn der tote Gitan wird nicht die einzige Leiche bleiben.

Wie so oft geht es um Geld, um Besitz, aber auch um rechtspopulistische Umtriebe, um Fremdenfeindlichkeit, Prostitution, um politisch höchst Brisantes aus der jüngsten deutsch-französischen Vergangenheit und Gegenwart. Jedenfalls sind die örtlichen Saubermänner eifrig bemüht, ihre schmutzigen Geheimnisse für sich zu behalten, denn sie wollen mit aller Macht verhindern, dass ihre betrügerischen Mauscheleien publik werden.

Verpackt in eine spannende Story und mit Blick fürs Detail zeigt uns Robert Hültner anhand dieser südfranzösischen Region, welchen Einfluss scheinbar kleine Veränderungen auf eine Gesellschaft nehmen. Dazu gehören neben den politischen natürlich auch die ökonomischen Faktoren, die sich auf den direkten Umgang der Menschen mit- und gegeneinander auswirken. Und das nicht nur in Frankreich, sondern ebenso bei uns. Der Autor beobachtet genau, was sich nicht nur in seinen Milieuschilderungen sondern auch in seinen Personencharakterisierungen zeigt. Sachlich exakt, oft ironisch und sprachlich immer sehr elegant – Hültner schreibt auf einem Niveau, das seinesgleichen sucht. Ein stimmiger, fein komponierter Kriminalroman, dem ich viele Leser wünsche!
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